Wirtschaftsrückblick Januar 2017

A. Gesamtwirtschaft/Geldpolitik

Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft

  • Wachstum in Deutschland 2016 so hoch wie seit 5 Jahren nicht mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das BIP 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9%. Treiber des Wachstums waren insbesondere der private und der staatliche Konsum sowie die Bauinvestitionen. Der Anstieg des Exports war erneut schwächer als im Vorjahr.
  • Der Industrie- und handelskammertag (DIHK) warnt allerdings vor zu viel Euphorie: Der deutsche Außenhandel steht angesichts weltwirtschaftlicher Unsicherheiten (Brexit, mögliche protektionistische Entwicklungen in den USA) vor Herausforderungen; auch ist der angesichts geringer Zinsen nur geringe Anstieg der Unternehmensinvestitionen bedenklich.
  • Deutscher Arbeitsmarkt: Erneute Zunahme der Beschäftigung in 2016 reflektiert die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland. Arbeitslosenquote mit ca. 6 % weiterhin relativ niedrig. Arbeitseinkommen der Arbeitnehmer stiegen 2016 um durchschnittlich 3,6%; allerdings auch mehr Abzüge für Steuern und Sozialabgaben (+4,4%). Das durchschnittliche Bruttogehalt eines Arbeitnehmers betrug 2016 2.787 EUR (netto: 1.843 EUR)

EZB: Weiterhin expansive Geldpolitik im EURO-Raum

Der EZB-Rat hat auf seiner ersten Sitzung im neuen Jahr den expansiven geldpolitischen Kurs beibehalten. Die Leitzinsen bleiben unverändert bei 0,0%, der Einlagenzins bei -0,4%. Auch das Anleihekaufprogramm von 60 Mrd EUR monatlich wird unverändert fortgeführt. Im Vorfeld der EZB-Sitzung war insbesondere von deutschen Ökonomen vermutet worden, dass die EZB angesichts deutlich steigender Verbraucherpreisinflation in D (Dezember: + 1,7% zum Vorjahr) die geldpolitischen Zügel etwas anziehen könnte. Die EZB verweist allerdings auf den Preisanstieg in der gesamten Eurozone, der im Dezember 2016 mit 1,1 % deutlich niedriger als in D ausfiel und damit noch weiter entfernt von der angestrebten Zielmarke von 2% liegt

USA: Wirtschaft blickt mit Spannung auf die zukünftige Wirtschafts- und Finanzpolitik des neuen Präsidenten

In weiten Teilen der Wirtschaft herrscht Unsicherheit hinsichtlich der Wirtschafts- und Finanzpolitik von Donald Trump. Hoffnungen auf ein deutlich stärkeres Wachstum der US-Wirtschaft ausgelöst durch Steuersenkungen für die Wirtschaft und wirtschaftliche Impulse durch staatliche Infrastrukturprogramme wechseln sich ab mit Sorgen, dass die USA sich vom Freihandel abwenden könnte. Auch die Frage, inwieweit der neue Präsident eine veränderte Klimapolitik betreiben wird, beschäftigt die Ökonomen.

China: Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Jahr 2016 wie von der Regierung geplant in der Spanne zwischen 6,5 %und 7,0%

Umbau der chinesischen Wirtschaft in Richtung einer geringeren Abhängigkeit vom Export und einer Stärkung des Binnenmarktes schreitet voran Wachstum 2016 im Rahmen der Erwartungen.

B. Unternehmen

Deutsche Bank schließt Vergleich mit US-Behörden/Eventuell Teilbörsengang der Fondstochter

  • Die Deutsche Bank hat sich mit den US-Behörden auf Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 6,8 Mrd USD geeinigt. Die Strafe bezieht sich auf Fehlverhalten der Bank in den Jahren vor und während der Finanzkrise. Damals hatten Investmentbanken, darunter auch die Deutsche Bank, sogenannte toxische Wertpapiere deutlich über Wert veräußert und damit Schäden in Milliardenhöhe verursacht
  • Im Zuge ihrer Konsolidierung möchte die Deutsche Bank eventuell ihre Fondstochter an die Börse bringen. Wie aus Finanzkreisen verlautet ist ein Telbörsengang der Deutschen Asset Management im Gespräch.

US-Banken: Hohe Gewinnzuwächse im Q4/2016

Nahezu alle großen US-amerikanischen Investmentbanken haben im letzten Quartal 2016 deutliche Gewinnzuwächse erzielt und die diesbezüglichen Erwartungen der Analysten weitgehend übertroffen. Die Zahlen zeigen erneut, dass die US-Banken die Folgen der Finanzkrise deutlich schneller überwunden haben als viele ihrer europäischen Konkurrenten

VW: Konzern kommt im Dieselskandal voran

Der größte deutsche Automobilkonzern kommt bei der juristischen Abarbeitung des Dieselskandals in den USA voran. Nach einem Vergleich bezüglich der Strafzahlungen an die Käufer von Dieselfahrzeugen ist jetzt auch eine Einigung hinsichtlich Schadensersatz für die US-Händler des Konzerns in Sicht.

  • Bislang relativ geringe Auswirkungen des Skandals auf den weltweiten Fahrzeugabsatz des Konzerns
  • Anleger reichen Schadenersatzklagen ein wegen möglichem Verstoß gegen WpHG.

HamburgSüd: Verkauf der zweitgrößten deutschen Reederei an den Branchenprimus Maersk.

Der Oetker-Konzern trennt sich von HamburgSüd. Die Reederei, seit Jahrzehnten im Eigentum der Familie Oetker, soll an die weltgrößte Reederei, die dänische Maersk, verkauft werden.

C. Finanzmärkte

Aktienmarkt: Die Rally nach der Rally-Kursrally nach Wahl von Donald Trump setzt sich offenbar fort. Dow Jones erstmalig über 20.000 Punkte. DAX auf Jahreshoch.

Die Aktienmärkte, die unerwartet euphorisch auf das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl reagiert hatten, setzen offenbar ihre Aufwärtsbewegung fort. Nach einer vorübergehenden Konsolidierung zu Beginn des Jahres hat der US-Leitindex Dow Jones nun erstmalig die 20.000 Punkte-Marke überwunden. Getrieben werden die Aktienmärkte von Hoffnungen auf ein stärkeres US-Wachstum. Sorgen wegen eventueller Einschränkungen des Freihandels werden aktuell offenbar hintenangestellt. Im Rahmen der Kursrally entwickelten sich in der jüngsten Vergangenheit insbesondere zyklische Werte (Industrie, Rohstoffe,….) und Finanzwerte positiv.

Anleihen/Rentenmärkte: Ist die Zinswende da ?

Ist das jetzt die Zinswende? Viele Analysten rechnen damit, dass der Rentenmarkt zumindest bei den langen Laufzeiten die niedrigsten Renditen gesehen hat und nunmehr eine Periode anziehender Renditen begonnen hat Begründet wird diese Erwartung damit, dass die angekündigte Finanzpolitik des neuen US-Präsidenten tendenziell zur höheren Inflationsraten und damit zu Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed führen wird. Höhere Renditen gehen am Rentenmarkt Hand in Hand mit fallenden Kursen.

Devisenmarkt : USD profitiert von der Erwartung höherer US-Zinsen

Die bereits angesprochene Erwartung, dass unter einem Präsidenten Trump die UDS-Zinsen steigen könnten, haben den USD zu den meisten Währungen aufwerten lassen. Auch zum EUR wertete der USD bis zu Kursen von ca, 1,05 USD/EUR auf. Mittlerweile äußert sich die neue US-Regierung zunehmend kritisch zur Stärke der eigenen Währung. Hintergrund: Ein zu starker USD könnte die beabsichtige Wachstumsbeschleunigung der US-Wirtschaft gefährden.

Rohstoffe/Ölmarkt: Aufwärtstendenzen bei vielen Rohstoffen und auf dem Ölmarkt

Die Hoffnung auf ein deutliches Anziehen der US-Wirtschaft hat die Preise für viele Rohstoffe steigen lassen. Auch der Ölpreis, der Anfang 2016 noch auf ein Tief von unter 30,00 USD/Barrel gefallen war, hat seine Aufwärtsbewegung fortgeführt und sich bei Preisen über 50,00 USD etabliert. Ursache für den Preisanstieg ist u.a. auch die geänderte Politik der OPEC. Das Ölkartell hat sich unerwartet geeinigt, die Ölförderung zu begrenzen.

Edelmetalle/Gold: Erwartung höherer Zinsen belastet Edelmetalle

Die Anlage in Edelmetalle bringt keine regelmäßigen Zins- oder Dividendenerträge. In Zeiten sehr niedriger Zinsen spielt dieser Aspekt für Anleger nur eine geringe Rolle; sollten allerdings die Zinsen wieder steigen vermindert dies zu einem gewissen Grad die Attraktivität von Gold. U.a. aus diesem Grund war der Goldpreis in den letzten Monaten auf dem Rückzug.

[Bericht: Frank Held, BS11-Abteilung Banken]