Wirtschaftsrückblick & Ausblick Dezember 2015

An dieser Stelle ein Rückblick auf die vergangenen Wochen mit ausgewählten Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und heute zusätzlich aus aktuellem Anlass der Energie-/Klimapolitik. Verbunden wird diese Rückschau mit dem Versuch eines kurzen Ausblicks auf mögliche Entwicklungstendenzen insbesondere an den Finanzmärkten.

I. Gesamtwirtschaftliche Themen


Wirtschaftswachstum

Europa/Deutschland: Experten erwarten moderates Wirtschaftswachstum

Nach einer Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW Berlin wird die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr 2016 mit 1,9% zulegen. Für das laufende Jahr 2015 erwartet das Institut eine Zunahme des BIP für Deutschland von 1,8%. Das Wachstum wird weiterhin primär vom privaten Konsum getragen. Der stabile Arbeitsmarkt unterstützt die Kauflaune der Verbraucher – und auch das niedrige Zinsniveau motiviert nicht unbedingt zum Sparen.

Für die europäische Währungsunion rechnet die EZB mit einem Anstieg des Wirtschaftswachstums 2016 auf dann durchschnittlich 1,7% nach erwarteten 1,5% für das laufende Jahr 2015.

USA: Starker Arbeitsmarkt, robuste Wirtschaft

Die Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt sehen die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Optimismus. Für 2016 wird für die USA ein Wachstum von 2,8% erwartet nach 2,6 % für das laufende Jahr 2015. Auf dem Arbeitsmarkt war auch im November2015 ein deutlicher Beschäftigungsaufbau zu beobachten.

China: Wohin steuert die zweigrößte Volkswirtschaft der Welt ?

Die Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt steht weiter im Fokus vieler Experten. Der IWF schätzt, dass in China 2016 ein Wachstum von 6,3% erreicht werden kann. Das wäre eine insgesamt moderate Abkühlung und sicherlich keine harte Landung. Aktuell beunruhigte ein neuerliches Schrumpfen des chinesischen Außenhandels. Im November 2015 sind die Exporte aus China um 6,8% zurückgegangen. Das war ein etwas stärkerer Rückgang als die erwarteten -5%. Ein Problem für den chinesischen Export könnte die weiterhin, wenn auch abgeschwächt vorhandene Koppelung des Yuan an den (starken) US-Dollar sein. Die chinesischen Importe sind im November 2015 um 8,9% zurückgegangen Allerdings hat sich hier der Abwärtstrend verlangsamt Im Oktober wurde noch ein Importrückgang um ca. 13% gemeldet. Optimisten gehen davon aus, dass die Konjunkturhilfen der chinesischen Regierung die inländische Nachfrage stabilisiert. Pessimisten sehen eher, dass der Außenhandel Chinas das neunte Mal in Folge zurückgegangen ist. Der Automarkt in China hat im November deutlich zugelegt.

Japan: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt vermeidet Rezession

Nach neuen, revidierten Zahlen ist die japanische Wirtschaft von Juli-Sept. 2015 um rund 0,3% zum Vorquartal ( ca. 1% zum Vorjahr) gewachsen. Ursprünglich war man in Japan von einem Rückgang des BIP ausgegangen. Bankvolkswirte erwarten jetzt für 2015 insgesamt ein Wachstum von 0,6 % sowie von 1,2% für 2016. Damit wird unwahrscheinlicher, dass die Bank of Japan ihre bereits ultralockere Geldpolitik nochmals lockert.

IWF: Weltwirtschaft kann in 2016 trotz Belastungen stärker wachsen/Unsicherheit aus Schwellenländern

Die Weltwirtschaft insgesamt wird nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) im kommenden Jahr 2016 mit 3,6% und damit stärker als 2015 wachsen. Die Prognose für 2015 hat der IWF von 3,3% auf nunmehr 3,1% zurückgenommen- Die Schockwellen der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft waren und sind 2015 größer als angenommen. Sinkende Preise für Metalle und andere Rohstoffe sind u.a. auch Folge der aktuellen Wachstumsschwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt China. Viele Schwellenländer leiden unter den aktuell sehr schwachen Rohstoffmärkten. Zusätzlich macht der starke US-Dollar solchen Schuldnern aus Schwellenländern zu schaffen, die ihre Kredite in US-Dollar aufgenommen haben. Trotzdem hält der IWF für 2016 eine Erholung einiger Schwellenländer für möglich. So sieht der IWF für Russland nach -3,8% im laufenden Jahr 2015 im nächsten Jahr 2016 nur noch einen leichten Rückgang des BIP (-0,6%). Auch für Brasilien wird mit einer Stabilisierung gerechnet.

Geldpolitik/Inflation

EZB enttäuscht die Märkte

Die EZB hat sich auf ihrer jüngsten Sitzung Anfang Dezember in Frankfurt auf eine weitere Lockerung ihrer bereits vorher expansiven Geldpolitik festgelegt. Der EZB-Rat mit Mario Draghi an der Spitze hat u.a. folgende Maßnahmen beschlossen:

  • Ausweitung der Negativzinsen auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank von -0,2 auf -0,3%
  • Zeitliche Ausdehnung des Anleihekaufprogramms (Quantitative Easing) von ursprünglich September 2016 auf jetzt mindestens März 2017.

Die EZB möchte dadurch die Inflationsrate im Euro-Raum auf ihre Zielmarke von nahe 2,0% heben, Aktuell liegt die Inflationsrate im Euro-Raum bei 0,1% (Deutschland 0,4%). Eine deflationäre Entwicklung im Euro-Raum möchte die EZB unter allen Umständen vermeiden. Die Kerninflationsrate (ohne Entwicklung der Preise für Energie und Nahrungsmitte) liegt allerdings im Euro-Raum bei rund 1,0%. Die Finanzmärkte reagierten enttäuscht auf die neuen Ankündigungen der EZB. Sie hatten offenbar eine deutliche monatliche volumenmäßige Anhebung des Kaufprogramms und nicht nur eine zeitliche Ausdehnung erwartet. Diese extrem hohen Erwartungen hat die EZB nicht erfüllt.

Warten auf die Fed

Die amerikanische Notenbank Fed wird am 16.12.2015 zu ihrer letzten turnusgemäßen Sitzung des Jahres zusammentreffen. Angesichts der guten volkswirtschaftlichen Daten aus den USA wird mehr- heitlich mit der ersten (moderaten) Zinserhöhung seit vielen Jahren gerechnet. Der jüngste Arbeitsmarktbericht von Anfang Dezember hatte für die USA einen höheren Stellenzuwachs als erwartet dokumentiert und damit die Robustheit des-US-Arbeitsmarktes sowie der US-Wirtschaft verdeutlicht.

Energie und Umwelt

OPEC: Kein Beschluss zum Rückgang der Ölförderung

Die OPEC-Staaten konnten sich auf ihrer letzten Sitzung in Wien nicht auf eine gemeinsame Strategie zur Stabilisierung des Ölpreises einigen Es gab offensichtlich keinen Konsens über Maßnahmen zur Reduktion der Fördermengen. Damit wird b.a.w. das Ölangebot nicht eingeschränkt und weiterhin mehr Öl gefördert als am Markt nachgefragt wird.

Weltklimakonferenz in Paris

Vertreter aus 195 Staaten haben sich in Paris auf den Abschluss eines verbindlichen Klimavertrags geeinigt. Das neue Weltklimaabkommen soll 2020 nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls in Kraft treten und den weltweiten CO2-Ausstoss und damit die Erderwärmung begrenzen. Dem Abkommen wird eine hohe Bedeutung bei der Rettung des Weltklimas zukommen. Es soll die schrittweise Abkehr von den Energieträgern Öl, Kohle und Gas hin zu den erneuerbaren Energien manifestieren und damit indirekt auch Milliarden an USD in zukunftsfähige Energieformen lenken. Hier einige Inhalte des Vertrags:

  • Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, die Erderwärmung auf weniger als 2,0 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Wenn möglich soll der Temperaturanstieg 1,5% Grad nicht überschreiten.
  • Treibhausgasemissionen sollen so schnell wie möglich sinken (Dekarbonisierung). Das Ziel eines völligen Verzichts auf fossile Brennstoffe hat es allerdings nicht in den Vertrag geschafft. Schwellenländer wie China und Indien, Ölländer wie Saudi-Arabien oder auch stark von dem Rohstoff Kohle abhängige europäische Staaten wie Polen haben diesem ehrgeizigen Ziel nicht zugestimmt.
  • Die von den einzelnen Staaten selbstgesteckten Klimaziele sollen von 2023 an alle 5 Jahre überprüft werden.
  • Die Industrieländer übernehmen die Hauptverantwortung für die Finanzierung der klimapolitischen Maßnahmen in Form eines Versprechens, ab 2020 jährlich 100 Mrd USD für den Klimaschutz zur Verfügung zu stellen.
  • Der Klimavertrag von Paris wird als erstes Klimaabkommen für fast alle Staaten der Welt verbindlich. Allerdings gilt dies nur unter der Bedingung, dass bis 2020 mindestens 55 Staaten den Vertrag ratifiziert haben.

Natur- und Umweltschutzverbände sprechen von einem grundsätzlich positiven Signal für den Klimaschutz. Die Überprüfung der Einhaltung der Klimaziele durch die einzelnen Staaten komme allerdings sehr spät. Das Klimaabkommen zeige leider auch, dass die Welt weiterhin noch nicht unabhängig ist von Kohle, Öl und Gas.

II. Informationen aus den Unternehmen


VW: Entwarnung bei CO2-Skandal, aber weiter Unsicherheit über Höhe der Belastung von Dieselgate

Der CO2-Skandal scheint für VW deutlich weniger dramatisch als bislang angenommen. Von den falschen CO2-Werten und den damit verbundenen falschen Angaben zum Spritverbrauch sind offenbar viel weniger Fahrzeuge betroffen. Der VW-Konzern hat mitgeteilt, dass internen Prüfungen zufolge statt 800.000 nur 36.000 Fahrzeuge betroffen sind. Auch seien bei den betroffenen Fahrzeugen  keine technischen Anpassungen erforderlich, da es sich um geringe Abweichungen handele. Die von VW in diesem Zusammenhang kalkulierten 2 Mrd EUR Kosten erscheinen damit deutlich zu hoch.

Im Zusammenhang mit manipulierten Stickoxid-Ausstößen bei Dieselmotoren ist die Höhe der auf VW zukommenden Belastungen allerdings noch nicht einzuschätzen In den USA wurde im September publik, dass in bestimmten Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt wurde, die den Stickoxid-Ausstoß im Testbetreib vermindert. In diesem Zusammenhang sind in den USA bisher mehr als 500 Klagen gegen den Autobauer eingereicht worden.

Der neue Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns Matthias Müller, der bis zu seinem vor kurzem erfolgtem Wechsel nach Wolfsburg Chef bei Porsche war, teilte im Rahmen einer Pressekonferenz mit, dass der Zentralismus bei VW abgelöst werden müsse durch mehr Eigenverantwortung der zwölf Konzernmarken. VW braucht Wandel – in diesem Sinn soll eine neue Unternehmensstruktur geschaffen werden.

Inwieweit der VW-Skandal die Absatzzahlen des Konzern beeinflusst ist noch unklar und wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

RWE: Neue Struktur bei RWE/Aufspaltung in zwei Gesellschaften

Der von der Energiewende und sinkenden Strompreisen belastete Essener Energiekonzern wird sich 2016 in zwei Gesellschaften aufspalten. Die neu zu gründende RWE-Tochter wird das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb übernehmen und damit zum Mitgestalter der Energiewende. In dieser neuen Gesellschaft sollen 40.000 der aktuell insgesamt 60.000 Mitarbeiter beschäftigt werden. Teile dieser neuen RWE sollen 2016 an die Börse gebracht werden. Damit erhält diese neue RWE Zugang zum Kapitalmarkt.

Die „alte RWE“ behält das klassische Kraftwerksgeschäft (Kohle, Gas, Atom) sowie den Energiehandel. In dieser Gesellschaft werden 20.000 Mitarbeitern beschäftigt. Damit bietet RWE weiterhin auch Kapazitäten für wetterunabhängigen Strom.

Lufthansa: Hoffnungen auf Entspannung an der Streikfront

Die Lufthansa hat mit der Gewerkschaft Verdi eine Tarifeinigung erzielt. Bei diesem Tarifvertrag geht es um die Arbeitsbedingungen von ca. 30.000 Mitarbeitern der Bodendienste. Die Lufthansa hofft, dass nunmehr auch eine Einigung mit der Piloten-Gewerkschaft Cockpit und der Gewerkschaft UFO (Flugbegleiter) näher rückt.

Hapag Lloyd: Börsengang

Nach mehreren Anläufen hat der traditionsreiche Hamburger Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd Anfang November den Sprung an die Börse geschafft. Ca. 15, 2 Millionen Aktien, davon 13,2 Millionen neue Aktien sowie ca. 2,0 Millionen Aktien aus dem Altbestand von Großaktionär TUI wurden verkauft. Das entspricht einem Bruttoemissionserlös von ca. 300 Millionen EUR. Der Emissionserlös aus der Ausgabe neuer Aktien beträgt entsprechend ca. 265 Millionen EUR. Die Großaktionäre Kühne und CSAV haben 20% der neuen Aktien gezeichnet. Das Geld möchte der Konzern voraussichtlich zum Kauf neuer Schiffe und Container verwenden. Auf der Route Europa-Asien herrscht zwischen den Anbietern harter Wettbewerb, sodass der Einsatz moderner, effizienter Schiffe große Bedeutung besitzt. Hapag-Lloyd ist nach der 2014 erfolgten Fusion mit der chilenischen Reederei CSAV weltweit die viertgrößte Containerreederei.

TUI: Rekordergebnis

Europas größter Reisekonzern TUI hat trotz Terrorangst im vergangenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis erzielt. Wie der Konzern mitteilte stieg das Ergebnis im Geschäftsjahr 2014/2015 (bei TUI endet das Geschäftsjahr jeweils im September) im Vorjahresvergleich um gut 15%. Es sei das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr der Firmengeschichte gewesen. Insbesondere das boomende Kreuzfahrtgeschäft sowie das starke Geschäft mit Kunden aus Großbritannien und Irland haben maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen.

 III. Finanzmärkte


Aktienmärkte

Nach einem goldenen Oktober und einem weiteren Anstieg der Kurse im November hat die Stimmung an den europäischen sowie auch an den amerikanischen Aktienmärkten im Dezember gedreht. Enttäuschte Erwartungen der Anleger im Hinblick auf die EZB-Entscheidung zu ihrer Geldpolitik Anfang Dezember haben zu deutlichen Kursverlusten an den Aktienbörsen geführt. Stand der DAX kurz vor der Veröffentlichung der EZB-Entscheidung noch bei ca. 11.300 Punkten brach er kurz darauf um in der Spitze mehr als 6% ein. Der Verfall der Ölpreise sowie die ausstehende Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank Fed trägt aktuell zur Verunsicherung des Marktes bei. Auch der wieder stärkere EURO belastet die Exportwerte im DAX. Dazu kommen schwache Zahlen aus China. Die Kurschwankungen am Markt (Volatilität) haben deutlich zugenommen. So reagieren die Anleger extrem auf enttäuschende Zahlen aus Unternehmen. Zweistellige Prozentabschläge bei einzelnen Werten an einem Handelstag sind keine Seltenheit mehr. Beispiele dafür liefern Linde, Drägerwerke, Aurubis oder Aixtron. Andererseits reagieren die Kurse auch auf unerwartet positive Unternehmensnachrichten mit deutlichen Aufschlägen. Als Beispiele seien hier die Aktien von VW und RWE genannt. Die VW-Aktie hat bis heute schon einen großen Teil ihrer im Zusammenhang mit dem Abgasskandal erlittenen Kursverluste wettgemacht.

Viele Experten aus den Banken sind für das Aktienjahr 2016 jedoch positiv gestimmt. Der Mangel an Anlagealternativen, die weiterhin grundsätzlich expansive Geldpolitik vieler Notenbanken, der relativ günstige EURO sowie die prognostizierte Gewinnentwicklung der Unternehmen sollten sich laut Meinung der Optimisten positiv auf den Aktienmarkt auswirken. Auch sei der niedrige Ölpreis für die Industriestaaten ein Art Konjunkturprogramm. Pessimisten verweisen auf die mittlerweile sehr lange Dauer der Aufwärtsbewegung (Hausse) an den Aktienmärkten und das dadurch entstandene teilweise recht hohe Bewertungsniveau einzelner Aktienmärkte sowie auf konjunkturelle Risiken insbesondere aus den Schwellenländern und sehen die Gefahr von Kursrückschlägen. Bei einem Aspekt sind sich die meisten Beobachter jedoch einig: 2016 wird an den Aktienmärkten ein Jahr mit weiter zunehmenden Kursschwankungen.

Anleihemärke/Rentenmärkte

Auch an den Anleihemärkten hat die EZB-Entscheidung für deutliche Reaktionen gesorgt. Die Umlaufrendite sprang im Anschluss an die EZB-Sitzung deutlich nach oben – das bedeutet, dass die Anleihekurse fielen. Man hatte auch hier mit einer noch stärkeren geldpolitischen Lockerung durch die EZB gerechnet. Mittlerweile hat sich die Entwicklung an den Anleihemärkten jedoch wieder etwas beruhigt. Die Rückschläge am Aktienmarkt haben z.B. den „sicheren Hafen “Bundesanleihe“ wieder attraktiver gemacht. Die Prognosen der Banken gehen jedoch für 2016 nicht selten davon aus, dass sich im Zuge der Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank sowie als Reaktion auf eventuell wieder anziehender Inflationsraten auch die Renditen am europäischen Anleihemarkt erhöhen werden und damit die Rentenkurse etwas unter Druck geraten könnten.

Devisenmarkt

Auch hier hat die EZB-Entscheidung Spuren hinterlassen. Schien vor der EZB-Sitzung dér Weg des EURO in Richtung Parität zum US-Dollar für viele Experten ausgemachte Sache so hat sich der EURO entgegen der Erwartung vieler Marktteilnehmer von seiner starken Seite gezeigt und gegenüber dem US-Dollar kurzfristig deutlich zugelegt. Ob diese Entwicklung von Dauer ist muss sich erst zeigen. Viele Experten sehen jedenfalls in der aktuellen Aufwertung des EUR eher ein vorübergehendes Phänomen und sehen tendenziell für die Zukunft eine wieder schwächere Gemeinschaftswährung. Viel wird hier von den Zinsentscheidungen der Fed sowie der Inflationsentwicklung und damit der Geldpolitik im EURO-Raum abhängen – und eventuell auch von der Entwicklung am Ölmarkt, da Öl bekanntlich in US-Dollar bezahlt wird.

ÖL/Rohstoffe

Öl ist so billig wie seit sieben Jahren nicht mehr – der Ölpreis befindet sich nach der OPEC-Sitzung im freien Fall. Der Ölpreis ist mittlerweile so niedrig wie 2008, also in der Zeit des Ausbruchs der Finanzkrise und der Rezession in vielen Industrieländern. Solange die OPEC-Staaten allerdings ihre Förderung eher ausdehnen als einschränken, die amerikanischen Rohölproduzenten (Stichwort Fracking) ebenfalls ihre Produktion nicht einschränken, d.h. sich nicht aus dem Markt drängen lassen und solange es nicht zu militärischen Auseinandersetzungen unter Einschluss wichtiger Ölländer im Nahen Osten kommt, ist nach Meinung von Experten zumindest kurzfristig nicht mit einer deutlichen Erholung des Ölpreises zu rechnen. Einige Experten sehen sogar einen weiteren Rückgang der Ölpreises.

Auch bei vielen Industriemetallen wie z.B. Eisenerz, Kupfer ist eine ähnliche Entwicklung wie beim Öl zu beobachten. Die Preise befinden sich teilweise auf Mehrjahrestiefs. Hier spielt u.a. die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas eine große Rolle.

Die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten setzt vielen Unternehmen der Branche zu. Die Kurse von ÖL- und Minenwerten stehen entsprechend an der Börse unter Druck. Im Rückblick lässt sich sagen, dass die meisten Experten das Ausmaß der bis heute andauernden Baisse an den Rohstoffmärkten unterschätzt haben

Goldpreis

Möglicherweise zeichnet sich beim Goldpreis in der Nähe des aktuellen Preisniveaus eine Bodenbildung ab. Eine mögliche Zinserhöhung in den USA verbunden mit einer eventuell weiteren Stärkung des US-Dollars würde zwar gegen eine Erholung des Goldpreises sprechen. Auch hat der Goldpreis bislang auf die geopolitischen Krisen kaum reagiert. Einige Banken sind deshalb auch für den Goldpreis negativ (bearish) gestimmt. Allerdings kann – wie immer- auch alles anders kommen- der Goldpreis hätte dann auf seinen jetzigem Niveau vielleicht tatsächlich seinen Boden gefunden. Auch eine eventuell wieder anziehende Inflation könnte den Goldpreis stützen.

Das Fazit? Immerhin eines ist jedenfalls sicher – die Zukunft ist und bleibt ungewiss und wird auch im neuen Jahr Überraschungen bereithalten. Wem das hilft…

[Text: Frank Held, Berufsschule Bank]