Wirtschaftsrückblick April 2016

Was gibt es seit unserem letzten Bericht Neues in der Welt der Wirtschaft? Natürlich sehr viel. Hier einige ausgewählte Informationen zu den aktuelleren Entwicklungen im Bereich Wirtschaft und Finanzen. Einige Aspekte aus dem letzten Wirtschaftsrückblick haben wir – dem besseren Verständnis sowie der weiterhin bestehenden Aktualität wegen- belassen. Ausdrücklich möchten wir auf den Text von Rouven Daniel und Sanam Hothi hinweisen. Die zwei angehenden Bankkaufleute, Schüler der BS 11, haben einen sehr fundierten wirtschaftlichen Ausblick auf 2016 mit besonderen Fokus auf die chinesische Wirtschaft gegeben, den wir auf der Home-Page unserer Schule gerne plaziert haben.

I. Gesamtwirtschaftliche Themen

Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt, Inflation

Deutschland/Europa: Prognosen für deutsches Wirtschaftswachstum in etwa unverändert, robuster Arbeitsmarkt in Deutschland, stabiler Konsum, weiterhin sehr niedrige Inflationsraten, Ifo-Geschäftsklimaindex wieder etwas erholt,

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, kurz auch als die „Wirtschaftsweisen“ bezeichnet, hat eine aktualisierte Konjunkturprognose für Deutschland vorgestellt. Darin wird das Wirtschaftswachstum für die deutsche Wirtschaft für 2016 mit 1,6% prognostiziert und somit eine Fortsetzung des Aufschwungs erwartet. Bislang war der Rat von einer Zunahme des BIP von1,7% ausgegangen. Die unsichere weltwirtschaftliche Entwicklung wird für den leicht schwächeren Ausblick verantwortlich gemacht. Der deutsche Arbeitsmarkt wird nach dieser Prognose auch 2016 robust bleiben und die Zahl der Erwerbstätigen voraussichtlich noch einmal zulegen. Damit wird der Konsum voraussichtlich auch 2016 stabil bleiben und die wesentliche Stütze des Aufschwungs bleiben. Dies zeigt auch der neueste Stand des GfK-Konsumgüterindex, der sich auf einem weiter hohen Niveau befindet.

Die Inflationsraten sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum bleiben weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. So lag die Inflationsrate im Euro-Raum in März 2016 im Jahresvergleich bei minus 0,1% (im Februar 2016 bei – 0,2%). Die Verbraucherpreise sind in der Euro-Zone im Vergleich zum Vorjahr also zurückgegangen (negative Inflation). Damit liegt die Inflation weiterhin weit unter der Zielmarke der EZB, die eine Inflation von nahe 2% ansteuert. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag allerdings bei ca. 1%. Das zeigt, dass der Rückgang der Energiepreise wesentlich für die negative Inflationsrate verantwortlich ist. Eine weitere Zahl: Im Gesamtjahr 2015 stiegen die Preise im Euro-Raum um durchschnittlich 0,1% – das ist der niedrigste Wert seit Einführung des Euro. Im Kontrast zu den Verbraucherpreisen sind allerdings zumindest in Deutschland bei den Vermögenswerten wie Immobilien, Anleihen und Aktien zum Teil deutliche Preiserhöhungen zu konstatieren.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtiger Frühindikator hat sich wieder erholt. Nachdem der Index in den letzten drei Monaten – allerdings von einem sehr hohen Niveau aus – gefallen war sind die Chefetagen von den befragten 7 000 deutschen Unternehmen im März wieder optimistischer als noch im Februar.

Auch die Bundesbank hatte in ihrem vorletzten Monatsbericht die weiterhin insgesamt guten Aussichten für die deutsche Wirtschaft betont. Der starke Arbeitsmarkt stützt den Konsum und stabilisiert über den Binnenmarkt die Konjunktur. Die Exportaussichten seien allerdings wegen der schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung unsicherer geworden. Die aktuellen Zahlen zum deutschen Export waren allerdings weiterhin relativ stark.

GB: Weiterhin Angst vor Brexit/Panama-Skandal könnte Brexit-Befürwortern helfen

Das bevorstehende Referendum in Großbritannien zur EU-Mitgliedschaft könnte im Falle eines Austritts Großbritanniens aus der EU (Brexit) zu wirtschaftlichen Turbulenzen auf der Insel führen, in deren Folge etwa das britische Pfund nochmals an Wert verlieren könnte. Auch Deutschlands Wirtschaft sowie die gesamte EU wäre in diesem Falle wahrscheinlich negativ betroffen. Aktuelle Umfragen sehen ein Kopf-an Kopf-Rennen der Brexit-Gegner und Befürworter. Ob der aktuelle internationale Skandal um die Panama-Papers (Stichwort Briefkastenfirmen), der dem Image von Premier David Cameron zumindest vorübergehend möglicherweise geschadet haben könnte,. Auswirkungen auf das Ergebnis der Volksabstimmung haben wird, bleibt abzuwarten. Der Premier gilt als einer der wichtigsten EU-Unterstützer.

USA: Zweifel an der Stärke der US-Wirtschaft zurückgegangen

Zu Jahresbeginn nährten Zahlen aus der US-Industrie sowie dem US-Einzelhandel Zweifel an der Stärke der US-Wirtschaft. Sorgen machten sich breit, dass eventuell die US-Wirtschaft doch mehr als erwartet unter dem starken US-Dollar leidet sowie sinkende Investitionen z.B. im Energiesektor (Stichwort Fracking) die Wirtschaft belasten könnten. Jüngste eher positive Zahlen aus der US-Industrie und von amerikanischen Verbrauchern haben diese Sorgen verringert. Auch in den USA stützt eine weiterhin relativ stabile Beschäftigungslage den für die US-Wirtschaft wichtigen Konsum. Weitere Informationen zur US-Wirtschaft bietet der Wirtschaftsausblick 2016 von Rouven Daniel und Sanam Hothi auf unserer home-page.

Wachstum der Weltwirtschaft: Weltbank korrigiert Prognose leicht nach unten

Wie bereits berichtet erwartet die Weltbank (nicht zu verwechseln mit dem IWF) in ihrer noch weiterhin aktuellen Prognose für 2016 ein Wachstum der Weltwirtschaft um 2,9%. Dieser Wert liegt 0,4% unter dem bisherigen Prognosewert der Weltbank. Probleme sieht die Weltbank weiterhin vor allem bei der Entwicklung vieler Schwellenländer.

China: Weiterhin große Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in China

Die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft ist weiter groß. Wie bereits angesprochen scheint eines sicher: Die Wachstumszahlen der vergangenen Jahre sind auf absehbarere Zeit wahrscheinlich nicht mehr zu erreichen. Trotz allen Schwierigkeiten wird von vielen Experten jedoch erwartet, dass Chinas Wirtschaft 2016 um etwa 6% wachsen kann. Kommt es so wäre das eine insgesamt moderate Abkühlung und damit ein weiche Landung. Allerdings kann eine so genannte harte Landung mit einem deutlicheren Rückgang des Wachsrums nicht ausgeschlossen werden. Detailliertere Informationen zu Chinas Wirtschaft gibt der Wirtschaftsausblick von Rouven Daniel und Sanam Hothi auf unserer Home-page..

Schwellenländer: Viele große Schwellenländer bereiten Probleme/Entwicklung der Rohstoffpreise wichtig

Wie in den letzten Rückblicken bereits thematisiert leiden viele Schwellenländerwie z.B. Russland, Brasilien oder auch Südafrika unter den aktuell sehr schwachen Rohstoffmärkten. Naturgemäß belasten niedrige Rohstoffpreise die Produzentenländer. Bei Russland kommen erschwerend die Sanktionen der EU hinzu Auch macht der starke US-Dollar solchen Schuldnern aus Schwellenländern zu schaffen, die ihre Kredite in US-Dollar aufgenommen haben. Trotzdem hält – wie berichtet- der IWF für 2016 eine Erholung einiger Schwellenländer für möglich. Viel wird hier von der weiteren Entwicklung der Rohstoffpreise abhängen. Diese haben sich in der jüngsten Vergangenheit erholt. Vorerst bleibt die wirtschaftliche Situation in vielen Schwellenländern aber angespannt.

Geldpolitik

EZB: Spekulationen über weitere Geldpolitik der Notenbank nach überraschend starker Lockerung im März 2016

Die EZB hat auf ihrer letzten Sitzung im März 2016 eine weitere deutliche Lockerung ihrer bereits vorher expansiven Geldpolitik beschlossen. Das Ausmaß der nochmaligen geldpolitischen Expansion war so nicht erwartet worden und hat zu einer kontroversen Debatte unter Ökonomen geführt. Besonders in Deutschland wird die neueste spektakuläre geldpolitische Entscheidung der EZB von vielen Beobachtern kritischen beurteilt. Im Einzelnen hat die EZB z.B. folgendes festgelegt:

-Senkung des Leitzinssatzes, zu dem sich die Geschäftsbanken kurzfristig Geld von der EZB leihen können, von 0,05% auf 0,00%

-Verschärfung des Negativzinsen auf minus 0,40%. Geschäftsbanken müssen also nunmehr Strafzinsen von 0,40% zahlen, wenn sie Geld/Liquidität bei der Notenbank parken

-Ausweitung des Anleihekaufprogramms auf monatlich 80 Mrd EUR statt bislang 60 Mrd EUR; außerdem sollen zukünftig auch Unternehmensanleihen in das Kaufprogramm vermehrt einbezogen werden

-neue Langfristkredite an die Geschäftsbanken

Die extrem expansive Geldpolitik der EZB stößt – vor allem auch in Deutschland – vermehrt auf Widerspruch. Aktuell hat sich auch Bundesfinanzminister Schäuble mit kritischen Worten in die Diskussion um die EZB-Politik eingeschaltet. Kritiker sehen im Zusammenhang mit der o.a. geldpolitischen Entscheidung beispielweise verstärkt negative Nebenwirkungen wie die Gefahr von Blasenbildung und Preisverzerrungen an den Vermögensmärkten (Immobilen- sowie Wertpapiermärkten). Auch wird kritisiert, dass die andauende Niedrigzinspolitik die Geschäftsbanken wegen weiter zurückgehender Zinsmargen unter Druck bringt. Mittelfristig sehen manche Beobachte sogar das Geschäftsmodell der Banken in Frage gestellt. Auch Versicherer könnten zu den Leidtragenden des Niedrigzinsumfelds gehören. Insbesondere auch der Sachverständigenrat hat sich in seiner letzten Stellungnahme kritisch zu der EZB-Entscheidung geäußert zumal die wirtschaftsweisen davon ausgehen, dass die Niedrigzinsphase voraussichtlich noch länger andauern wird. Die EZB begründet ihre Niedrigzinspolitik mit ihrem Ziel, die Inflation im EUR-Raum in Richtung ihres Inflationsziels von nahe 2,0% zu heben. Um dieses Ziel zu erreichen soll die Kreditvergabe und damit Investitionen und Konsum in den EUR-Staaten angekurbelt werden.

Fed: Noch keine zweite Zinserhöhung

Wie berichtet hatte sich die amerikanische Notenbank Fed im Dezember 2015 im Rahmen ihrer letzten turnusgemäßen Sitzung des Jahres 2015 für die erste Leitzinserhöhung seit vielen Jahren entschieden. Der US-Leitzins wurde um moderate 0,25% auf 0,50% erhöht. Angesichts der guten volkswirtschaftlichen Daten aus den USA war diese Entscheidung von den Experten seinerzeit mehrheitlich erwartet worden. Gleichzeitig hatte die Fed-Chefin Yellen für die Zukunft eine weiter sehr vorsichtige Gangart angekündigt. Die aktuelle Zinsentscheidung der Fed vom März 2016 bestätigt diese Ankündigung. Der Leitzins wurde wie schon im Februar auf unverändert 0,50% belassen. Begründet hat die Fed ihre Haltung mit der weiter unsicheren Lage an den Finanzmärkten sowie weltwirtschaftlichen Unwägbarkeiten. Aktuell gehen viele Beobachter für 2016 nur noch von maximal zwei weiteren Zinsschritten der Fed aus.

Aktuelle wirtschaftspolitische Diskussion: Arm und Reich in Deutschland

Aktuelle Studien u.a. der OECD sowie der Deutschen Bundesbank haben eine Diskussion über die Vermögensverteilung in Deutschland angeregt. Laut der Studie der Bundesbank ergeben sich für Deutschland folgende Zahlen zum Vermögen der Deutschen:

  • Das durchschnittliche Nettovermögen je Bundesbürger ist von 2010 bis 2014 um 20.000 EUR auf 214.500 EUR gestiegen.
  • Die 10% reichsten Haushalte hatten 2014 einen Anteil von 59,8% (2010: 59,2%) am Gesamtvermögen. (Hinweis: Haushalte mit einem Nettovermögen ab 468.000 EUR je Haushalt gehören zu den 10% reichsten Haushalten in D)
  • Der mittlere Haushalt besitzt in D 60.000 EUR (in etwa 12,8% der o.a. 468.000 oder: Mittleres Vermögen x ungefähr Faktor 8 = 468.000)
  • Die Vermögensverteilung ist in D im Vergleich zu anderen Ländern des EUR-Raums relativ ungleich

Ökonomen sind sich uneins über die Konsequenzen der ungleichen Vermögensverteilung: Marcel Fratzscher vom DIW etwa sieht dadurch eine Schwächung des Wirtschaftswachstums; andere Ökonomen wiedersprechen dieser Hypothese. Weitgehend einig sind sich Ökonomen darin, dass höhere Bildungsinvestitionen des Staates die konstatierte Ungleichheit bei der Vermögensverteilung eher reduzieren als eine reine Umverteilungspolitik.

II. Informationen aus den Unternehmen

VW: Noch keine Einigung mit den US-Umweltbehörden/Wer wußte von den Abgasproblemen bei den Dieselmotoren ?

VW hat im Abgas-Skandal von dem zuständigen US-Gericht eine Fristverlängerung erhalten. Bis zum Ablauf dieser Frist muss der VW-Konzern dem Gericht Vorschläge zur technischen Lösung der Abgasprobleme unterbreiten. Die Höhe der auf VW damit zukommenden finanziellen Belastungen ist deshalb weiterhin nur schwer abzuschätzen. Experten gehen aber von einem zweistelligen Milliardenbetrag aus.

Offen bleibt zunächst auch die Frage, welche Personen des VW-Konzerns zu welchem Zeitpunkt von den Abgasproblemen Kenntnis hatten. Diese Frage beschäftigt vor allem VW-Aktionäre, die für den Fall, dass VW seiner Verpflichtung zur adhoc-Publizität eventuell nicht nachgekommen sein sollte, u.U. Schadenersatzansprüche aufgrund erlittener Kursverluste geltend machen wollen.

Die Höhe der auf VW im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal insgesamt zukommenden finanziellen Belastungen ist noch nicht abzuschätzen. Experten gehen allerdings von einem zweistelligen Milliardenbetrag aus.

Die Konsequenzen der Abgasaffäre auf die Absatzzahlen des Konzerns lassen sich noch nicht eindeutig beurteilen. In Europa verlor VW 2015 in einem insgesamt sehr starken europäischen Automarkt zwar Marktanteile. Inwieweit der VW-Skandal die Absatzzahlen des Konzerns über einen längeren Zeitraum hinweg negativ beeinflusst ist noch unklar. Großaktionär Katar hat sich inzwischen eindeutig hinter den Sanierungskurs von Vorstandschef Matthias Müller gestellt und sich kritisch zum Einfluss des Landes Niedersachsen sowie des Betriebsrates geäußert.

Deutsche Börse AG: Fusion mit Londoner Börse LSE kommt voran

Die Fusionspläne der Deutschen Börse AG mit der London Stock Exchange nehmen Fahrt auf. Nach Gemäß Presseberichten soll die Führung der fusionierten Börse offenbar in London angesiedelt werden. Durch die Fusion würde die nach Marktkapitalisierung weltweit zweitgrößte Börse entstehen. Die Deutsche Börse AG möchte durch diesen Schritt die Konsolidierung in der Branche gestalten.

Commerzbank AG: Neuer Chef heißt Martin Zielke

Wie bereits berichtet wird die Commerzbank ab 1.5. 2016 einen neuen Vorstandschef erhalten. Der bisherige Chef des Privatkundengeschäfts Martin Zielke wird dann den scheidenden Martin Blessing ablösen. Zuvor war monatelang spekuliert worden, wer an die Spitze des Frankfurter Geldhauses rücken wird.

Airbus AG: Positive Zahlen für 2015

Das Konzernergebnis des Flugzeugbauers ist 2015 u.a. auch durch den Verkauf von Beteiligungen um 15% auf 2,7 Mrd EUR gestiegen. Der Umsatz stieg um 6% auf 64,5 Mrd EUR. Der Vorstand berichtete weiter über volle Auftragsbücher im Rekordvolumen von über 1 Billion EUR. Der Ausblick für 2016 bleibt dennoch eher zurückhaltend: Bei Airbus geht man geht für das laufende Jahr von einem stagnierenden Ergebnis aus. Und: Der Luftkampf zwischen Airbus und Boeing wird enger. Hier holt Airbus zunehmend auf. 2015 hat Airbus 635 Flugzeuge ausgeliefert, Boeing 762; der Auftragsbestand ist allerdings bei Airbus (1022 Flugzeuge) größer als bei Boeing (783 Flugzeuge)

HHLA: Hamburger Hafen setzt zunehmend auf Ausbau seines Eisenbahn-Güterverkehrs

Das Geschäft mit Schiffscontainern bringt nicht mehr die erhofften Wachstumsraten. Weltweit ist der Containerumschlag 2015 unter den Erwartungen geblieben. So musste auch die HHLA im vergangenen Jahr im Containergeschäft einen Rückgang beim Umschlag um ca. 12% konstatieren. Die Umsatzerlöse gingen um ca. 9% zurück, der operative Gewinn sank um 29% auf 110 Mio EUR. Ursachen sind u.a. die langsamere Zunahme des Welthandels (2015: 2,6%), die schwächere Wirtschaftsdynamik in China, die schwierige wirtschaftliche Situation in Russland und die Wirtschaftskrise in der Ukraine. Dort betreibt die HHLA ein Containerterminal. Die HHLA setzt deshalb zunehmend auch auf ihren Eisenbahn-Güterverkehr und wandelt sich von einem führenden europäischen Hafenlogistiker zu einem führenden europäischen Hafen- und Transportlogistikkonzern.

AXA: Französischer Versicherungskonzern erhält deutschen Chef

Kulturrevolution in Frankreich: Bei Europas zweitgrößter Versicherungskonzern AXA wird Thomas Buberl die Führung übernehmen. Thomas Buberl leitet zur Zeit noch das Deutschland-Geschäft von AXA.

III. Finanzmärkte

Aktienmärkte

  • Nach dem schlechtesten Jahresstart seit Einführung des DAX hat sich der deutsche Aktienmarkt deutlich erholt. Auffällig war in den letzten Wochen die starke Korrelation des Aktienmarktes mit dem Ölpreis; mit der Stabilisierung des Ölpreises legte auch der DAX zu. Das kommt nicht von ungefähr, hat doch der extreme Absturz des Ölpreises zu spürbarer Unsicherheit am Finanzmarkt hinsichtlich der weiteren weltwirtschaftlichen Entwicklung geführt. Und im DAX sind viele Unternehmen gelistet, die global ausgerichtet sind und deren wirtschaftlicher Erfolg in hohem Maße von der Weltwirtschaft abhängt. Daneben kann ein überraschend starker Preisrückgang bei Öl und weiteren Rohstoffen viele Akteure in Bedrängnis bringen: Zu nennen wären beispielsweise die direkt betroffenen Rohstoffproduzenten (Staaten sowie Konzerne) als auch Banken (Zunahme der Kreditrisiken) sowie Großanleger, die eventuell auf dem falschen Fuß erwischt worden sind und/oder Liquidität benötigen. Aus diesem Grund sind extreme Preisveränderungen wie aktuell auf den Rohstoffmärkten häufig mit schwer einzuschätzenden Folgewirkungen verbunden.
  • Bankwerte sind nach einer zwischenzeitlichen Erholung in den letzten zwei Handelswochen erneut stark unter Druck geraten. Die extreme, andauernde Niedrigzinspolitik der EZB verringert zunehmend die Zinsmarge vieler Banken. Dazu kommt Kosten des Ausbaus der Digitalisierung, Kosten durch den weiter vorhandenen Regulierungsdruck sowie institutsabhängig zum Teil noch Kosten aus Rechtsstreitigkeiten. Dazu kommen noch länderspezifische Probleme wie etwa die große Zahl notleidender Kredite in Italien. Dort sind allerdings vermehrt Anstrengungen der Regierung und des Bankensektors zu beobachten, dieses Problem in Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen einer nachhaltigen Lösung zuzuführen.
  • Die zu Jahresbeginn vorhandene extreme Volatilität (Kursschwankungen) an den Aktienmärkten, die von großer Unsicherheit und Nervosität der Anleger zeugte, hat etwas abgenommen.
  • Für den weitere Entwicklung des Aktienmarktes sind die Meinungen geteilt; einige Experten sprechen angesichts der Kurserholung der letzten Wochen von einer technischen Gegenreaktion, die wegen des überverkauften Marktes nahezu zwingend war und halten erneute Rückschläge für denkbar. Andere Beobachter halten die Stimmung weiterhin für schlechter als die Lage und sind daher zuversichtlich. Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht sicherlich angebracht denn: „Im Nebel muss man die Geschwindigkeit drosseln“

Anleihemärke/Rentenmärkte

Die Anleihemärkte, zumindest die Papiere von Staaten mit guter/sehr guter Bonität, profitieren weiterhin von einer Flucht in die Sicherheit und von Erwartungen im Hinblick auf eine weitere expansive Geldpolitik der Notenbanken. Entsprechend stiegen z.B. die Kurse von Bundesanleihen; die Rendite dieser Anleihen fielen auf neue historische Tiefststände. So bewegt sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe aktuell nur noch zwischen 0,10% und 0,20% p.a. Kürzer laufende Bundespapiere verzeichnen negative Renditen. Also weiterhin keine guten Zeiten für Anleger, die auf feste Zinserträge setzen bzw. auf diese angewiesen sind.

Devisenmarkt

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben dem Euro Auftrieb gegenüber dem USD gegeben. Das liegt zum einen an aufkommenden Zweifeln über die weitere Entwicklung der US-Volkswirtschaft und damit verbundener Unsicherheit über die weitere US-Geldpolitik. Zum anderen eventuell auch daran, dass so genannte Carry-trades aufgelöst wurden. Außerdem wurden viele Spekulanten, die von einem weiter im Verhältnis zum US-Dollar schwachen Euro ausgegangen waren, auf dem falschen Fuß erwisch. Zwischenzeitlich hatten zwar Zahlen zur (niedrigen)Inflation im Euro-Raum den EUR tatsächlich wieder abgeschwächt. Diese Entwicklung war aber nicht von Dauer – der Euro hat sich insgesamt in den letzten Monaten gegenüber dem US-Dollar befestigen können. Eine für viele Akteure überraschende Entwicklung: Wächst die US-Wirtschaft doch weiterhin stärker als die des EURO-Raums und ist doch das Zinsniveau in den USA weiterhin höher als das des Euro-Raums. Fundamental (und lehrbuchmäßig) dürfte diese Situation eigentlich nicht zu einer Aufwertung des Euro zum US-Dollar führen…Die Realität zeigt –zumindest noch aktuell – etwas anderes.

Ölmarkt

Nach Meldungen über Vereinbarungen von Russland, Saudi-Arabien sowie einigen weiteren ölproduzierenden Staaten über ein Einfrieren der Ölproduktion auf Januar-Niveau legte der Ölpreis auf inzwischen ca. 40,00 USD/Barrel deutlich zu. Es scheint mithin so, als hätte beim Rohöl tatsächlich bei Preisen etwas unterhalb von 30,00 USD/Barrel ein Prozess der Bodenbildung begonnen. Dann wären extreme Szenarien einiger Auguren von einem Preisabsturz bis 10,00 USD/Barrel eher unrealistisch gewesen. Auch ein erneuter Rückgang des Ölpreises in Richtung 20,00 USD/Barrel wäre aus dieser Interpretation heraus nicht zu erwarten. Jedenfalls verstärkt sich der Eindruck, dass sich aktuell die Stimmung am Ölmarkt drehen könnte bzw. gedreht hat. Es ist aber nicht auszuschließen, dass es sich bei der inzwischen recht deutlichen Preiserholung beim Rohöl immer noch nur um eine vorübergehende Rally handelt. Viel wird davon abhängen, ob die Übereinkunft der o.a. ölproduzierenden Staaten dauerhafter Natur ist oder eventuell noch intensivere Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölpreises getroffen werden. Eine weitere offene Frage ist, wie lange die Fracking-Unternehmen in den USA in der Lage sind, bei den niedrigen Preisen durchzuhalten. Mitunter ist zu hören, dass ein Drittel der US-Unternehmen das erste Halbjahr nicht überleben könnte. Unter diesen Umständen gibt es Stimmen, die ab Sommer mit einer Erholung des Ölpreises auf über 50,00 USD/Barrel rechnen.

Nicht nur der Ölpreis, sondern auch die Preise anderer Rohstoffe wie z.B. Kupfer, Aluminium, Eisenerz haben seit in den letzten Wochen deutlich erholt. Man wird auch hier abwarten müssen, ob diese Erholung von Dauer ist. Nicht überraschend ist angesichts dieser Rohstoffrally, dass auch die Kurse von Energie- und Rohstoffaktien in den letzten Wochen zugelegt haben.

Gold

Das Edelmetall erlebt eine unerwartete Renaissance. Zwischenzeitlich stieg der Preis für eine Feinunze Gold bis ca. 1280 USD. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis damit um mehr als 15% zugelegt. Angesichts der vielen Krisen weltweit, der ungewissen weltwirtschaftlichen Entwicklung, des weiterhin existierenden Niedrigzinsumfelds sowie eines eventuell nicht mehr ganz so starken USD gewinnt Gold bei einigen Anlegern neue Attraktivität. Kurzfristig hat allerdings nach dem schnellen Preisanstieg eine gewisse Konsolidierung beim Goldpreis eingesetzt- keine Überraschung nach diesen deutlichen Preissteigerungen. Spannend wird die Frage sein, wie lange diese Konsolidierungsphase dauert. Und natürlich ist es keine ausgemachte Sache, dass Gold überhaupt seine positive Preisentwicklung fortsetzen wird. Das wird die Zukunft zeigen.

Abschließend noch eine Meldung zum Ergebnis einer Umfrage unter Teilnehmern einer Kapitalmarktkonferenz: Wie die FAZ berichtete erwartet die Mehrheit der dort befragten Fachleute offenbar für das laufende Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedrigere Aktienkurse, Zinsen und Rohstoffpreise. Als größte Risiken wurden die weitere Wirtschaftsentwicklung in China, die Geldpolitik der EZB und das Platzen einer Blase nach einer weiter voranschreitenden Vermögenspreisinflation bei Aktien und Immobilien genannt. Als weitere Risiken wurden die Zinspolitik der Fed sowie ein möglicher Brexit aufgeführt. Das sind mahnende Worte, die vor blinden Optimismus schützen können. Nur: Wie es letztlich kommen wird – das weiß eben niemand so ganz genau.

Dazu passend eine Meldung der Deutschen Bundesbank zum deutschen Immobilienmarkt: Die Bundesbank warnt vor Preisübertreibungen am Immobilienmarkt und zwar insbesondere in den Metropolen. Zahlen zum Wohnungsbau scheinen zu belegen, dass der Immobilienboom in Deutschland andauert. Die Zahl der Baugenehmigungen (Wohnungsbau) hat im Januar 2016 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 34,5% zugelegt. Solche Zuwächse seien zuletzt im Jahr 2006 zu beobachten gewesen. Auch das Kreditvolumen hat in diesem Bereich so stark zugenommen wie seit 13 Jahren nicht. Die Bundesbank warnt zunehmend vor einer möglichen Blasenbildung in einigen Städten und ermahnt die Kreditinstitute, bei der Vergabe von Immobilienkrediten vorsichtig vorzugehen.

[Wirtschaftsbericht: Frank Held – Berufsschule Abteilung Banken, 12. April 2016]