Wirtschaftsanalyse 2016 | Schwerpunkt China

Diese Wirtschaftsanalyse widmet sich schwerpunktmäßig dem Theme „China“ und wurde verfasst von den Banken-Berufsschülern Rouven Daniel und Sanam Hothi aus der B 15/61.

Nach langem Boom mit u.a. zweistelligen Zuwachsraten will die Regierung nun mit einem neuen 5-Jahres-Plan Chinas Wirtschaftspolitik verändern. Demnach soll so eine nachhaltige und qualitativ bessere Entwicklung der Wirtschaft gewährleistet werden. Dazu gehört auch, dass man das Wirtschaftsmodell, welches sich sehr auf den Export fokussiert, stärker auf die Binnenkonjunktur ausrichtet und den privaten Konsum ankurbelt. Die chinesische Regierung nimmt ein geringeres Wachstum für die nächsten Jahre damit in Kauf. Nachdem die chinesische Wirtschaft im Jahr 2015 die niedrigste Wachstumsrate seit 25 Jahren mit 6,9% hatte, strebt die chinesische Führung mit ihrem neuen 5-Jahres-Plan ein durchschnittliches Wachstum von 6,5% an.

Statistik_Chinas_Überkapazitäten
Statistik zu Chinas Überkapazitäten

Als sehr wichtiger Faktor wird der Industriesektor genommen, welcher effizient umstrukturiert werden muss, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Chinesische Industrie, besonders die Stahlindustrie, leidet an hohen Überkapazitäten. Die Auslastung in den Stahlwerken lag 2015 demnach nur bei 67%, was zur Folge hat, dass 1,8 Millionen Arbeiter in der Stahl- und Kohleindustrie entlassen werden sollen. Bei einer aktuellen Arbeitslosenquote von 5% würde dies stark ins Gewicht fallen.

Auch die Europäische Industrie wird durch die Dumpingpreise von Stahl, die von den Chinesen angeboten werden, gefährdet, nachdem die Stahlexporte in die EU in 2015 um 50% zugelegt haben. Der Verdacht, dass die chinesischen Unternehmen ihre Produkte unter den Herstellungskosten anbieten und zusätzlich vom Staat subventioniert werden, bringt die ausländischen Unternehmen und Arbeiter in Aufruhr.

Im Februar demonstrierten daraufhin 5000 Arbeiter aus verschiedenen industriellen Sektoren vor der EU-Kommission in Brüssel gegen die Dumpingpreise aus China. Mittlerweile wurden gegen Chinesische Stahlimporte Strafzölle von der EU verhängt.

Für das weitere Jahr 2016 wird erwartet, dass sich die Aktienmärkte global weiterhin stark volatil, das heißt schwankend, verhalten werden. Hierfür sind besonders die wirtschaftliche Schwäche Chinas sowie der starke Preisverfall des Erdöls und die damit einhergehende wirtschaftliche Krise in den Schwellenländern die Hauptursachen. Des Weiteren beeinflussen die Leitzinsentscheidungen der großen Zentralbanken stark die Entwicklung an den Wertpapiermärkten. Jedoch lässt sich sagen, dass starke Abwärtsbewegungen an den Märkten als übersteigert anzusehen sind, da die Lage der Unternehmen deutlich besser ist als die aktuelle Stimmung an den Märkten.

Der weiter anhaltend niedrige Ölpreis wird langfristig für zahlreiche Insolvenzen in der amerikanischen Frackingbranche sorgen. Schon jetzt senken viele Unternehmen ihre Förderquoten, bzw. stellen die Förderung sogar ganz ein, da der aktuelle Marktpreis die Kosten der Unternehmen nicht decken kann. Erwartet wird, dass durch das schrumpfende Angebot aus den USA der Ölpreis mittel bis langfristig wieder ansteigen wird und sich einem Niveau von ca. 70-80 US-Dollar pro Barrel annähern wird. Gespannt blicken Ökonomen und Investoren jedoch nicht nur in die USA, sondern auch nach Saudi-Arabien und Russland. Saudi Arabien, das einen Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Erdölgeschäft bezieht, hat schon jetzt Probleme seine Ausgaben zu decken. Auch in Russland sorgt der Verfall des Erdölpreises für eine Staatskrise, die mittlerweile in eine Rezession mündet.

Sollten die Erdölförderer der Welt nicht ihre Förderquoten senken, wird dies zu starken wirtschaftlichen und finanziellen Korrosionen vor allem in Saudi-Arabien und Russland führen.

Die USA wuchsen im 4. Quartal 2015 mit 1% des BIP stärker als von Ökonomen erwartet. Des Weiteren erwarten Ökonomen, dass ein Wachstum von 2,5% für das 1. Quartal 2016 nicht unrealistisch erscheinen könnte. Der US-amerikanische Arbeitsmarkt hat sich äußerst positiv entwickelt und Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen, was unter anderem dazu führt, dass die Verschuldung der privaten Haushalte nicht mit dem Niveau der Finanzkrise 2008/2009 zu vergleichen ist. Diese Faktoren werden dazu führen, dass der Konsum in den USA 2016 kräftig zulegen und somit das Wirtschaftswachstum in der größten Volkswirtschaft der Welt stützen wird.

Für das die ersten Quartale 2016 wird erwartet, dass die deutschen Exporte zurückgehen werden. Begründen lässt sich dies damit, dass die wirtschaftliche Krise in China und den Schwellenländern zu einer verringerten Nachfrage nach deutschen Produkten führen wird. Erholt sich der Ölpreis in der zweiten Hälfte 2016, wird sich dieser Trend umkehren und es wird wieder ein Wachstum des deutschen Exports geben. Trotz dessen und der allgemeinen Verunsicherung an den Märkten bleibt die wirtschaftliche Situation Deutschlands gut. Die Volatilität an den Märkten überträgt sich bisher nicht auf die Realwirtschaft und auch die Bankenbranche ist 2016 deutlich stabiler als noch vor der Krise.

Von uns wird erwartet, dass abhängig von dem Ölpreis, die Weltwirtschaft in der 1. Hälfte des Jahres 2016 weiter schwächeln wird und sich erst in der zweiten Hälfte des Jahres stabilisiert.

Quellen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/konjunktur-deutschlands-exporte-gehen-zurueck-a-1081550.html
http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/china-wirtschaftswachstum-ruecklaeufig
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zombie-fabriken-china-entlaesst-angeblich-fuenf-millionen-arbeiter-a-1079967.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/china-will-1-8-millionen-jobs-in-industrie-abbauen-a-1079862.html
http://www.wiwo.de/politik/ausland/welthandel-wie-china-die-deutsche-wirtschaft-spaltet/12979820.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article152532213/Chinas-Ueberkapazitaeten-bedrohen-Europas-Industrie.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article152314459/Billig-Importe-gefaehrden-Millionen-Jobs-in-Europa.html
http://munich.china-consulate.org/ger/xwdt/t1269189.htm
http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article148156084/Chinas-13-Fuenfjahresplan-steht-fuer-Marktwirtschaft.html
http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/china-wirtschaftswachstum-ruecklaeufig
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-belegt-china-stahl-mit-strafzoellen-a-1077215.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/oel-und-erdgas-us-schieferoelfoerderer-gehen-in-die-knie/13031198.html
http://www.handelsblatt.com/themen/us-konjunktur
http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/boerse-inside/gewichtige-worte-zu-negativzinsen-wir-waeren-besser-dran-wenn-wir-geld-unter-die-matratze-stecken-wuerden/12997160.html
http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/boersen-new-york-energie-und-banken-werte-ziehen-wall-street-ins-plus/13043656.html