Jugend debattiert für Internationale Vorbereitungsklassen

Und deshalb bin ich der Meinung, dass….

Nana Baffour Gyau belegt den 3. Platz im 1. Landesfinale „Jugend debattiert für Internationale Vorbereitungsklassen“ (IVK)

28.6.2018, 12.30 in der Aula des Landesinstituts für Lehrerfortbildung. Bernd Stinsmeier und Birgit Grell Landesbeauftragte für den Wettbewerb „ Jugend debattiert“ geben die Finalisten des 1. Hamburger Landeswettbewerbs „ Jugend debattiert für IVK“ bekannt.
„Mit Deutschland verbindet er Wurst und Bier, Er würde gerne einmal mit Putin sprechen…“ Weiter kommen sie nicht. Unbeschreiblicher Jubel bricht aus „ Nana, Nana!“ jubeln die Schülerinnen und Schüler der IVK 17/1  der Beruflichen Schule St. Pauli, die mit Ihrer Deutschlehrerin Christina Starck zur Veranstaltung gekommen sind. Sechs von ihnen haben als Klassensieger an den Vorrunden teilgenommen, die am Morgen stattfanden; Hasan und Iman sind spontan für einen anderen Schüler eingesprungen.

Nana Baffour Gyau, 17, aus Ghana, seit knapp 1,5 Jahren in Deutschland und seit Oktober 2017 Schüler unserer IVK 17/1 ist der Vierte. Im Finale-mit der höchsten Punktzahl aus den Vorrunden. Mit ihm im Finale sind Semira und Basir aus Afghanistan und Alisia aus China. Die Position Pro 2 wurde im zugelost. Er soll im Finale also für die Frage argumentieren „Soll jeder Erwachsene gesetzliche verpflichtet werden sich um seine pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern?“ Das Thema liegt ihm, weil er im Januar ein zwei-wöchiges Praktikum in einem Altenheim gemacht hatte und weil er einen ganz konkreten Berufswunsch hat: Arzt. Aber nervös ist er natürlich trotzdem.

Komplexe gesellschaftliche Themen wie Mobilität, Migration, Pflege sind es, die von den insgesamt 24 Schülerinnen und Schülern, die Internationale Vorbereitungsklassen in acht Hamburger Schulen besuchen, diskutiert werden. Und das nur nach 9 Monaten intensivem Spracherwerb in einem Land, in dem die meisten der Wettbewerbsteilnehmer nicht mehr als zwei Jahre leben.Aus der Vorbereitung durch ihre Deutschlehrer und die „ Alumni“ des Landeswettbewerbs „Jugend debattiert“ (also ehemalige Landessieger- z.T. noch Schüler und Studenten) an den Schulen kennen die jungen Migrantinnen und Migranten das Format der Debatte: 4 Debattanten ( 2 Pro , 2 Contra) setzen sich in 3 klar strukturierten Runden mit einem gesellschaftliche relevanten Thema auseinander, das eine Verbesserung vorschlägt. Dabei geht es nicht nur darum, die besten Argumente zu haben sondern wesentlich auch darum, auf die Argumentation der Mitdebattanten einzugehen, ihre Argumente ernst zu nehmen, sie zu entkräften, ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen.

Genau darin sieht auch Uwe Grieger aus der Schulbehörde (Aufsicht über die Institute LI, IfBQ, JMS; LZ , JiZ) in seiner Begrüßungsrede vor Beginn der Finaldebatte einen wichtigen Wert von „ Jugend debattiert“, den er selbst für Hamburger allgemeinbildende Schulen knapp 20 Jahre vorher mit aus der Taufe gehoben hat.„ Alle sind Sieger“, so Grieger; denn jeder, der an dem Wettbewerb teilnehme, profitiere: in Bezug auf seine sprachlichen Fähigkeiten, seine Argumentationsfähigkeit und darin, Dinge einfach besser auf den Punkt bringen zu können. Debattieren sei ein „ Kernstück der Demokratie“, da eine Debatte nur dann zum Ziel führe, wenn die Argumente des anderen ernstgenommen und Regeln eingehalten würden. Ohne Respekt vor der Positition des anderen, seien weder eine Debatte noch Demokratie möglich. „ Und das ist aktueller denn je.“ schließt Grieger

20 Minuten dauert die Debatte auf der Bühne vor dem gebannt lauschenden Publikum im großen Saal: Es gäbe eine moralische Verantwortung der Kinder für Ihre Eltern, Menschen die man liebe, könne man nicht einfach in Heime „abschieben“, so die starken ethischen Argumente der Pro-Seite. Aber, wie soll die Pflege von Angehörigen umsetzbar sein, wenn die Angehörigen arbeiten, wie soll man das finanzieren? Wie überhaupt alte Menschen pflegen, wenn man keine Erfahrung hat und warum, wenn man keine emotionale Bindung mehr zu ihnen hat, argumentiert die Gegenposition.

Während der Beratungszeit der 3 Juroren gibt es ein Programm für die Zuhörer.  Ali aus Afghanistan beeindruckt in seiner Rede über den Wert der freien Meinungsäußerung , die mit Jugend debattiert eingeübt wird, und auch der preisgekrönte  „Humanity Rap“ der Klasse 7b des Gymnasiums Karl-Friedrich-Ufer („ Egal, wer du bist/ was dir gefällt/ Wir sind alle Menschen/ auf derselben Welt“) begeistert die Zuschauer.

Es ist knapp 14.00 Uhr als der Vorsitzende der Jury, Ansgar Kemmann, von der gemeinnützigen Hertiestiftung, die mit anderen Sponsoren sowohl den Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ als auch das internationale Format „Jugend debattiert international“ finanziell unterstützt, die Nominierung bekanntgibt. Er lobt das hohe Niveau der Debatte und die Vielzahl der Argumente, macht aber auch auf weitere Aspekte aufmerksam. Siegerin und auch Publikumsfavorit wird Yiwei (Alisia) Sun vom Gymnasium Hamm, gefolgt von Samira Rahmizadeh von der Stadtteilschule Bramfeld. Besonderes Lob erhält Nana, der Drittplazierte, für seine humane und moralische Argumentation.

Siegerehrung
Siegerehrung

„Wir machen weiter“, so das Fazit der engagierten Lehrerinnen und Organisatoren. Und im nächsten Jahr könne man sich noch eine Steigerung vorstellen: „ Ein Debatten-battle“ mit den Siegern der Bundeshauptstadt. Denn dort gibt es auch Jugend debattiert für IVK.

Und auch das Fazit von den Schülerinnen und Schüler der IVK der Berufsschule St.Pauli ist eindeutig: „Debattieren war das beste in diesem Schuljahr!“ und „Machen wir im nächsten Schuljahr, in der 11. Klasse, weiter??“

[Christina Starck]