Olympia Referendum – Enttäuschung & Chance

Desaster, Debakel, Dolchstoß, Katastrophe für den deutschen Sport – was liest man nicht alles in diesen Tagen. Wahr ist, die Absage an Olympia ist eine herbe Enttäuschung für Organisatoren und Politiker, für sehr viele Hamburger und sehr viele Deutsche – und nicht zuletzt für die vielen Sportler, die sich für Hamburgs Spiele engagiert und die sich so sehr auf dieses einmalige Weltereignis gefreut hatten.

Aber deswegen ist der Sport doch nicht am Ende – weder in Hamburg noch in Deutschland. Da wird viel zu viel dramatisiert. Und seien wir mal ehrlich: Auch bei einem positiven Referendum wäre der Wettbewerb ja jetzt erst richtig losgegangen. Wenn es in der letzten Runde trotz des überzeugenden und innovativen Hamburg-Konzeptes dann doch nicht geklappt hätte, wäre die Enttäuschung noch viel größer gewesen.

Was war es denn nun, was die Hamburger Ablehnung ausgelöst hat:

  • der wachsende Gigantismus von Olympia?
  • die irrsinnigen Preissteigerungen und Gentrifizierungstendenzen in Peking und London?
  • die fehlende Finanzierungszusage des Bundes?
  • die jüngsten Entwicklungen wie Flüchtlingskrise, Terroranschläge in Paris, das abgesagte Fußball-Länderspiel in Hannover, DFB-Affäre, FIFA-Skandal, flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik?
  • oder eher Hamburg-spezifische Faktoren wie die traumatische Erfahrung mit der Elbphilharmonie, die umstrittene Hafencityarchitektur, die Massierung von komplizierten Bauvorhaben (Autobahndeckel, Elbvertiefung, die große Baustelle Neue Mitte Altona), die weiter wachsende Bevölkerung bei mangelnder Infrastruktur, die jetzt schon die Stadt überfordert, den Verkehr lahmlegt und die Leute nervt ?

Müßig, zu diskutieren, was den Ausschlag für das Referendum gab. Es kommt einfach zu Vieles zusammen. Da konnte wohl das Konzept der stadtnahen, kompakten, umweltfreundlichen Spiele nicht mehr dagegen halten. Einschränkend muss gesagt werden, dass die Gegner einfach mehr Leute mobilisiert hatten als die Befürworter und dass die Argumente der Gegner auch wirklich schwerwiegend waren.

Dass Hamburgs oder Deutschlands Sportentwicklung einen großen Rückschlag erleidet, sehen wir an der BS11 nicht so. Niederlagen können auch Kraft geben für eine neue Aufbruchstimmung. Wie wäre es, wenn man einige der guten Ideen der Olympia-Bewerbung aufgreift und im bescheidenen regionalen Rahmen umsetzt? Den Grasbrook für die Hamburger Bevölkerung zu gewinnen, den Schulterschluss von der Innenstadt nach Wilhelmsburg zu machen, die Radwege völlig neu zu konzipieren, den Breitensport zu fördern – das alles ginge doch auch ohne Olympia.

Was die olympische Idee betrifft, gilt es, den Sport und die SportlerInnen wieder ganz in den Mittelpunkt zustellen. Dabei gewinnt eine durchaus charmante Initiative immer mehr Anhänger: Lasst uns zurückkehren zu den olympischen Wurzeln – ideel, aber auch lokal. Die urspüngliche Idee des kollektiven Friedens und des fairen Wettstreits könnte man sich in Zukunft durchaus in Griechenland vorstellen. Man käme an einem einzigen Ort olympischer Identität zusammen und ließe dabei unsportliche nationale Eitelkeiten hinter sich. Alle Nationen beteiligten sich an den Kosten, und kein Land bräuchte sich in ökonomische Abenteuer und soziale Spannungen zu begeben. Sicherlich ist das Zukunftmusik – aber von Visionen lebt der Fortschritt. Und manchmal von den Ideen der Vergangenheit.

Zurück in die Gegenwart: Im Vorlauf zum Referendum haben wir in unserer Schule bei mehreren Veranstaltungen kontrovers diskutiert und zur Meinungsbildung beigetragen.

So knapp, wie die Entscheidung des Referendums ausfiel, so unterschiedlich waren auch die Argumente in unserer Schule. Wir akzeptieren das Votum des Volksentscheids und werden auch in Zukunft intensiv den demokratischen Prozess der Meinungsbildung in unserer Schule fördern.

Mit sportlichen Grüßen

Ulrich Natusch (Schulleiter) / Raimund Losse (Webmaster)