Wirtschaftsrück­blick und Ausblick für 2018

Beitrag von Frank Held | BS11 | Januar 2018

Der Jahreswechsel liegt zwar nun schon eine gewisse Zeit zurück – trotzdem wollen wir an dieser Stelle die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahres noch einmal im Rückspiegel betrachten sowie einen kleinen wirtschaftlichen Ausblick in das neue Jahr wagen.

A. Weltwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland

Das vergangene Jahr ist aus weltwirtschaftlicher Perspektive betrachtet besser gelaufen als viele Experten erwartet hatten. Zu Beginn des Jahres 2017 waren viele Beobachter im Hinblick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung skeptisch. Politische Risiken wie z.B. die seinerzeit noch ausstehenden Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich sowie die Befürchtung, dass der schon länger andauernde wirtschaftliche Aufschwung auch einmal zu Ende gehen müsse, führten bei nicht wenigen Beobachtern zu verstärkter Unsicherheit. Auch vor dem Hintergrund von für die Wirtschaft eher ermutigenden Wahlergebnissen in Europa entwickelte sich jedoch die Weltwirtschaft äußerst solide. Wie die OECD unlängst festgestellt hat ist die Weltwirtschaft 2017 um ca. 3,6% gewachsen – das sind 0,3% mehr als noch vor einem Jahr prognostiziert wurde. Zudem hat sich die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr synchron entwickelt. Wachstumsimpulse kamen in 2017 sowohl aus den westlichen Industrieländern als auch aus China, Indien und aus vielen weiteren asiatischen Staaten. Dazu konnten sich Länder wie Russland oder Brasilien aus der Rezession befreien. Die deutsche Wirtschaft wuchs 2017 um 2,2% – ein stolzer Wert. Manch einer spricht da im Hinblick auf Deutschland schon von konjunktureller Superlative ! Der deutsche Jobmarkt boomt, der Konsum blieb und bleibt vorerst eine stabile Stütze, die deutschen Exporteure erlebten das vierte Rekordjahr in Folge und sogar die Investitionen zogen leicht an. Was waren die Ursachen für diese positive Entwicklung? Die weiter sehr lockere Geldpolitik der großen Notenbanken war sicherlich ein Treiber für das Wirtschaftswachstum weltweit; die aus Sicht der produzierenden Staaten positive Preisentwicklung bei vielen Rohstoffen hat den Schwellenländern geholfen, Wachstum zu generieren. Und das von einem großen Teil der Wirtschaft gefürchtete politische Negativszenario blieb aus. Wie geht es 2018 mit der Weltwirtschaft weiter?

Grundsätzlich ist auch 2018 eine Fortsetzung oder Verstetigung des Aufschwungs möglich. Nahezu alle relevanten konjunkturellen Indikatoren zeigen nach oben; Stimmungsbarometer wie etwa der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex sowie Einkaufmanagerindizes befinden sich auch außerhalb von Deutschland weiter auf hohem Niveau. Frühindikatoren weisen also tendenziell weiterhin auf eine starke Konjunktur hin. Das zeigen auch die aktuellen Prognosen: Der IWF hat in seiner aktuellen Studie die Wachstumsprognosen für 2018 (und 2019) kräftig angehoben. So wird voraussichtlich die US-Steuerreform das ohnehin stabile Wachstum der US-Wirtschaft zusätzlich anschieben. Davon würde z.B. auch die deutsche Wirtschaft oder China profitieren. Der IWF geht für 2018 für die o.a. Staaten von folgenden (starken) Wachstumsraten aus: USA 2,7%, Deutschland 2,3%, China 6,6% . Großbritannien wird dagegen aufgrund des Brexits nur ein Wachstum von 1,5% zugetraut. Die Weltwirtschaft insgesamt soll 2018 laut IWF um 3,9% zulegen. Auch für 2019 ist der IWF grundsätzlich optimistisch. Erst ab 2020 könnten zunehmend dämpfende Effekte wie US-Leistungsbilanzdefizit, weiterer Schuldenaufbau,… an Bedeutung gewinnen. Also scheinen die Wachstumsampeln für 2018 den Experten zufolge weiter auf Grün zu stehen – allerdings dürfen bei allem Optimismus oder gerade dann die Risiken nicht übersehen werden: Das voraussichtliche Ende der extremen Niedrigzinsphase , die häufig weiter gestiegenen Schulden im privaten wie im öffentlichen Sektor, eventuell zunehmende protektionistische Entwicklungen wie z.B. in den USA, geopolitische Risiken (Nordkorea, Nahost) sowie der weiterhin bestehende Reformstau in einigen Ländern sind hier nur Beispiele.

Auch Deutschland sollte die Zukunft im Blick behalten: Investitionen z.B. in Bildung und Infrastruktur sind angezeigt, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken.

Und auch ein weiterer Sachverhalt soll noch erwähnt werden: Christine Lagarde, Chefin des IWF, hat zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos neben den bestehenden o.a. Risiken einen weiteren kritischen Aspekt angesprochen: Die Früchte des Wachstums werden ungleich verteilt.

Arbeitsmarkt

Wenn die Wirtschaft rund läuft – oder gar boomt – dann profitiert der Arbeitsmarkt. Dies erleben wir in Deutschland nun schon seit vielen Jahren. Mittlerweile wird in Deutschland die höchste Beschäftigung und die niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung beobachtet. Und kurzfristig wird sich wohl an dieser Situation wenig ändern. Als Folge dieser Entwicklung konnten die Löhne zulegen: Im dritten Quartal 2017 stiegen im Reallöhne in Deutschland um durchschnittlich 0,7%. – immerhin.

Leider ist der Arbeitsmarkt nicht im gesamten Euro-Raum derart stabil. In einigen südeuropäischen Ländern liegt die Arbeitslosigkeit weiter auf hohem Niveau – doch seit einigen Monaten mit sinkender Tendenz. So ist in Griechenland, dem Land mit der höchsten Arbeitslosigkeit der Eurozone, die Arbeitslosenquote zuletzt gesunken – liegt aber immer noch über 20%.

Inflation

Die Verbraucherpreisinflation ist in Deutschland 2017 auf 1,8% gestiegen. Sie lag damit deutlich über dem Vorjahreswert (0,5%) und rückt damit dem Inflationsziel der EZB von ca. 2,0% immer näher. Ursächlich für diese Preisentwicklung waren z.B. höhere Mieten und steigende Preise für Energie und Lebensmittel. In der gesamten Eurozone stiegen die Verbraucherpreise 2017 um durchschnittlich 1,4%. Insgesamt sieht es also – zumindest für den gesamten Euroraum – so aus, dass die Inflation erst einmal weiterhin relativ niedrig bleibt und von der Seite aus keine Störfeuer zu erwarten sind. Im Hinblick auf die Inflation sollte allerdings die Entwicklung an den Rohstoffmärkten Beachtung finden. Steigende Rohstoffpreise könnten mittelfristig die Inflation anziehen lassen. Dies gilt insbesondere auch für die US-Wirtschaft. Der inflationsmindernde Effekt aus der aktuellen Dollarschwäche bzw. aus der aktuellen Stärke des Euro gilt für Europa – aber eben nicht für die USA.

Geldpolitik

Die extrem lockere Geldpolitik der großen Notenbanken war sicher einer der wesentlichen Ursachen für den weltweiten wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre. Nun steuert die US-Notenbank Fed schon seit einiger Zeit um – aber äußerst vorsichtig mit kleinen Zinsschritten. Dagegen liegt bei der EZB die erste Zinserhöhung noch in einiger Entfernung. Zunächst muss hier das derzeit noch laufende Anleihekaufprogramm beendet werden. So rechnen viele Experten mit einem ersten Zinsschritt der EZB nicht vor Frühjahr 2019. Zumal die aktuelle Stärke des Euro die Inflationsraten in Euroland tendenziell wieder drücken sollte. Für die Bank of Japan gilt ähnliches wie für die EZB: Auch dort rechnet kaum einer mit einer baldigen Zinserhöhung. Also bleibt die globale Geldpolitik insgesamt wahrscheinlich zunächst weiter wachstumsfördernd- wenn auch nicht mehr so expansiv wie in den letzten Jahren. Am Horizont könnte jedoch ein Risiko auftauchen: Sollten die Preise in den USA aufgrund des Konjunkturprogramms in Gestalt der Steuerreform sowie steigender Rohstoffpreise doch stärker anziehen müsste die Fed eventuell die zinspolitischen Zügel früher und deutlicher straffen.

B. Unternehmen/Branchen

Im Folgenden wollen wir die aktuellen und voraussichtlich auch für das Jahr 2018 relevanten Themen und Herausforderungen einzelner ausgewählter Branchen skizzieren.

Kreditinstitute/Finanzsektor

Die deutschen Banken und Versicherungen hadern in ihrer Mehrheit zunehmend mit der extremen Niedrigzinspolitik der EZB und fordern von der Notenbank erste Schritte in Richtung Zinserhöhung. Die Banken beklagen den durch die Niedrigzinsen bzw. die Negativzinsen verursachten Druck auf die Zinsmarge. Es ist damit zu rechnen, dass die Forderungen der Banken und Versicherungen nach einer geldpolitischen Normalisierung 2018 an Stärke weiter zunehmen werden.

Neben der nun schon länger anhaltenden Niedrigzinspolitik muss sich der Finanzsektor und hier besonders die Banken weiteren Herausforderungen stellen. Zu nennen wäre hier beispielsweise die weiter zunehmende Regulierung des Finanzsektors sowie die Digitalisierung auch innerhalb dieser Branche. Diese Themen werden auch 2018 eine große Bedeutung haben. Außerdem scheint auch im Finanzsektor eine weitere Konsolidierung der Branche unausweichlich.

Automobilindustrie

Das vergangene Jahr 2017 kann für die deutsche Automobilindustrie als ein Jahr des Aufbruchs gesehen werden. Der VW-Dieselskandal, dessen Anfang allerdings weiter zurückliegt und dessen finanziellen Konsequenzen sich bislang für den VW-Konzern als beherrschbar herausgestellt haben, hat augenscheinlich die gesamte Branche wachgerüttelt und einen Prozess eingeleitet, der möglicherweise zu einem Umdenken geführt hat. Das Thema Elektromobilität scheint jedenfalls bei den großen deutschen Automobilkonzernen BMW, Daimler und VW seither ganz oben auf der Agenda zu stehen. Als weitere Herausforderungen der Branche gelten etwa die Themen autonomes Fahren, Vernetzung oder car-sharing. Die Branche scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben.

Fluggesellschaften/Luftfahrt

In der Luft tobt ein Konkurrenzkampf und die Karten werden –schon seit einiger Jahren – neu gemischt. Der harte Wettbewerb hat die zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin in die Insolvenz getrieben. Das seit vielen Jahren nur Verluste schreibende Unternehmen musste aufgeben. Das hat die Position der Lufthansa gestärkt – konnte sich die Kranichlinie doch weite Teile von Air Berlin einverleiben. Die Fluggesellschaft Niki, eine Air-Berlin-Tochter, ging, allerdings nicht an die Lufthansa, sondern zurück an den Gründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda. Diesem Deal soll hier etwas mehr Raum gegeben werden (um zu zeigen, wie das (Wirtschafts-)leben manchmal so spielt): Die Lufthansa hatte, möglicherweise um kartellrechtlichen sprich wettbewerbsrechtlichen Problemen vorzubeugen, ihr entsprechendes Kaufgebot für Niki zurückgezogen. Daraufhin wurde Niki zunächst an die britisch-spanische Fluggesellschaft IAG verkauft. Nachdem das Insolvenzverfahren, das ursprünglich in Berlin eröffnet worden war, nach rechtlichen Auseinandersetzungen in Wien neu startete, erhielt überraschend Niki Lauda den Zuschlag – und wird damit nach dem Verkauf seiner Fluggesellschaft 2011 sieben Jahre später wieder Eigentümer. Dies aber nur am Rande.

Schifffahrt/Reedereien

Im Bereich der Schifffahrt stand das Jahr 2017 ganz im Zeichen der Konsolidierung. Reedereien fusionierten um an Größe und Schlagkraft zu gewinnen und/oder Kostenvorteile zu erzielen. So geschehen bei der deutschen Hapag-Lloyd AG, die einen zweiten gro0en Zusammenschluss innerhalb weniger Jahre realisierte und gestärkt aus diesem Prozess hervorgeht. Die Reederei Hamburg Süd wurde dagegen von der weltgrößten dänischen Reederei Moeller Maersk übernommen. Insgesamt scheint sich die Schifffahrtsbranche bzw. die Reedereien von der langen Krise, die im Anschluss an die Finanzkrise 2007/08 einsetzte, zu erholen. Die stabile weltwirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres unterstützte diesen Prozess. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass auch die Geschäftsentwicklung des Hamburger Hafenbetreibers, der HHLA AG, im vergangenen Jahr positiv verlaufen ist. Sollten sich die optimistischen Prognosen für die Weltwirtschaft und damit verbunden den Welthandel im Jahr 2018 bewahrheiten wird auch die Schifffahrt sowie Hafenbetreiber davon profitieren können.

Flugzeugindustrie/Airbus

Volle Auftragsbücher bestimmten im vergangenen Jahr das Geschäft der Flugzeugbauer und insbesondere auch von Airbus. Nur das Großraumflugzeug A 380 schien nicht so ganz in dieses positive Bild zu passen. Jetzt hat ein Großauftrag der Fluggesellschaft Emirates die weitere Produktion des A 380 gerettet.

C. Finanzmärkte

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte zeigten sich im vergangenen Jahr vielerorts in Hochform und verzeichneten z.B. in den USA sowie in Deutschland neue Höchststände. Die großen US-Indizes wie Dow Jones, S&P 500, Nasdaq sowie der deutsche Aktienindex DAX kletterten auf Rekordniveaus. In den USA war 2017 jeder Monat gut für US-Aktien; so etwas gab es 1958 das letzte Mal. Auch in Japan erreichte der Nikkei ein Mehrjahreshoch. Ebenso zeigte sich die chinesische Börse in guter Verfassung. Eine solch positive Entwicklung hatten zu Beginn des vergangenen Jahres nur die wenigsten Experten erwartet. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hatte sicherlich ihren Anteil an diesem erfolgreichen Aktienjahr, da verzinsliche Anlageformen wie Bankeinlagen oder Anleihen dadurch weiterhin verhältnismäßig unattraktiv blieben. Begründet bzw. abgesichert werden konnte der Kursanstieg auf den Aktienmärkten häufig aber auch fundamental, d.h. durch die weltweit stabile konjunkturelle Entwicklung, die wiederum die Gewinnentwicklung vieler Unternehmen positiv beeinflusste. Wie wird es in 2018 weitergehen? Das konjunkturelle Umfeld scheint vorerst intakt zu bleiben. Das sollte die Unternehmensgewinne weiter stützen. Die Inflation bleibt – zumindest vorerst- eher niedrig. Deshalb sollten auch die Zinsen erst einmal keine größeren Sprünge nach oben machen Allerdings – und darauf sollte man achten – ist in den USA eine Richtungsänderung bei den Zinsen zu konstatieren. Insgesamt betrachtet bleiben Aktien im Verhältnis zu verzinslichen Anlagen zunächst weiter attraktiv. Es gibt aber auch vermehrt Warnzeichen: Da ist z.B. die mittlerweile überdurchschnittlich lange Dauer des Bullenmarktes. Beispielsweise steigen die US-Aktienmärkte nunmehr bereits seit fast 9 Jahren; dies ist einer der am längsten anhaltenden Bullenmärkte in der Geschichte. Auch ist der Konjunkturzyklus in den USA schon sehr weit fortgeschritten. Dazu ist insbesondere der US-Aktienmarkt, orientiert man sich z.B. am Shiller-KGV, historisch teuer. Der deutsche Aktienmarkt ist im Vergleich dazu zwar noch niedriger bewertet. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass sich der deutsche Aktienmarkt dauerhaft vom US-Markt abkoppeln kann. Und noch ein – eher psychologischer – Aspekt-: Es scheint so zu sein, als würden die Anleger ihre Skepsis verlieren und zunehmend sorglos. Sorglosigkeit der Anleger oder anders ausgedrückt eine zu gute Stimmung der Anleger ist aber üblicherweise als Kontraindikator zu werten. Eines steht jedenfalls fest: Herrscht Euphorie bei den Anlegern naht das Ende der Hausse. Ob sich die Märkte allerdings bereits im Stadium der Euphorie befinden bzw. dort angelangt sind ist noch ungewiss. Jedenfalls sind relativ hohe Mittelzuflüsse in Aktienfonds zu beobachten. Kurzum: Zumindest eine Korrekturphase am Aktienmarkt ist nicht unwahrscheinlich. Dies muss allerdings nicht heißen, dass damit bereits ein Trendwechsel hin zum Bärenmarkt eingeleitet wird. Aber: Vorsicht ist und bleibt angebracht! Und was sagen die Volkswirte und Analysten der Banken? Die Mehrheit der Banken sieht für 2018 weiter (leicht) steigende Kurse. Die Prognosen reflektieren aber auch die Ungewissheit der Experten: Im Schnitt sehen die Banken den DAX zur Jahresmitte 2018 bei ca. 13.500 Punkten: Die Spanne der Prognosen reicht allerdings von 12.500 (Helaba) bis 15.000 Punkten (Unicredit).

Rentenmärkte/Anleihemärkte

Viele Jahre kannte der Rentenmarkt – langfristig betrachtet – nur eine Richtung: Aufwärts. Die Ursache ist leicht identifiziert: Die ultra-lockere Geldpolitik bzw. die Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Doch wenn sich nun der Wind dreht, die Notenbanken – wenn auch vorsichtig – ihre Politik des billigen Geldes auslaufen lassen sollten, würde es nicht überraschen, wenn die Zeiten für Anleihen rauer werden. Die Fachleute aus den Banken prognostizieren bis Jahresmitte nur einen leichten Zinsanstieg: die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sehen sie im Schnitt dann bei 0,66% (aktuell ca. 0,50%). Insoweit blieben in diesem Fall die möglichen Kursverluste bei Anleihen überschaubar.

Devisenmarkt

Vielleicht war das die Überraschung des Jahres an den Finanzmärkten: Der schnelle Anstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar. Sahen viele Experten den Euro zum US-Dollar noch zu Jahresbeginn 2017 im Jahresverlauf unter die Parität fallen hat sich das genaue Gegenteil eingestellt: Der Euro hat sich zum US-Dollar bis auf Kurse von etwas über 1,20 USD je Euro befestigt – und dies trotz des höheren Zinsniveaus in den USA. Vielleicht ist diese Entwicklung einer zweiten Überraschung, des deutlichen Wirtschaftswachstums in der Eurozone, geschuldet. Wie geht es weiter? Mario Draghi jedenfalls gefällt die schnelle Euro-Aufwertung nicht: Er sieht hier eine Quelle der Unsicherheit. Im Gegensatz dazu scheint die US-Regierung mit dem schwächeren US-Dollar gut leben zu können. Dies zeigen Äußerungen von prominenten Vertretern der US-Administration wie etwa die von Finanzminister Mnuchin. Klar ist, dass ein schwächerer US-Dollar z.B. der amerikanischen Exportwirtschaft zunächst einmal hilft. Trotzdem kann meiner Meinung niemand ein Interesse an zu schnellen oder abrupten Bewegungen am Devisenmarkt haben. Und schon gar nicht an einem Währungskrieg als Ausdruck protektionistischer Bestrebungen. Insofern wäre eine neue US-Politik, die dann auch langfristig auf einen schwachen Dollar setzt, für die Weltwirtschaft problematisch. Doch ob sich aktuell hier eine grundsätzliche Richtungsänderung der US-Währungspolitik andeutet ist noch lange nicht ausgemacht. Auch sollte die europäische Wirtschaft mit dem aktuellen Wechselkursniveau gut leben können. Die aktuellen Kurse zwischen 1,20 und 1,25 USD je Euro korrigieren nach Meinung vieler Fachleute zunächst einmal die Übertreibung in die andere Richtung und sollten aus europäischer Sicht noch kein Grund zur Besorgnis darstellen. Übrigens: Die Prognosen der Banken reichen von 1,10 USD je Euro bis zu ca. 1,30 USD je Euro zum Jahresende. Viel wird natürlich von der zukünftigen Geldpolitik der EZB abhängen. Hier erwartet nur eine kleine Minderheit der Experten einen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm bereits zum September 2018; die meisten Experten haben sich auf Dezember 2018 festgelegt.

Rohstoffe

Starke Wirtschaft=Hohe Rohstoffpreise. Dieser Zusammenhang hat sich z.B. bei vielen Industriemetallen im vergangenen Jahr gezeigt. Auch wenn noch weitere, komplexere Ursachen erklärend heranzuziehen wären – grundsätzlich hat sich die o.a. Aussage in 2017 bestätigt. Ein global starkes Wachstum – und ein schwächerer US-Dollar – führt zu steigender Nachfrage nach Rohstoffen. Natürlich muss für die Preisentwicklung auf einem Markt auch die Angebotsseite berücksichtigt werden. Zur Zeit scheint der Rohstoffmarkt jedoch primär auf die Nachfrageseite zu schauen. Auch der Rohölpreis hat sich über das Gesamtjahr betrachtet fester gezeigt – trotz eines zwischenzeitlichen Einknickens. Sollte die Weltwirtschaft wirklich auch 2018 ihr Wachstumstempo beibehalten könnten die Ampeln auch bei Rohstoffen grundsätzlich zunächst weiter auf Grün stehen. Die Experten sind sich da allerdings nicht so sicher. Sie sehen z.B. für den Rohölmarkt für die nächsten sechs Monate mehrheitlich einen Rückgang des Ölpreises voraus.

Aber wir wissen doch: Prognosen sind unsicher – besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Alles kann auch anders kommen. Manch einer meint auch: Die Mehrheit liegt meistens falsch. Wir werden es sehen.