Wirtschaftsrück- und ausblick September 2017

von Frank Held – Berufsschule Bank BS11 – September 2017

Zu Beginn des neuen Schuljahres wollen wir wieder einen Blick in die Wirtschafts- und Finanzwelt werfen. Dazu werden wir versuchen, aktuelle Entwicklungen zu ausgewählten Themen der Volkswirtschaft/Gesamtwirtschaft, im Bereich einzelner Unternehmen sowie der Finanzmärkte zu skizzieren.

A. Gesamtwirtschaft

Solides Wirtschaftswachstum

Der Chefvolkswirt einer Privatbank hat die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in einem Kommentar als „nicht zu heiß und nicht zu kalt“ beschrieben, will heißen, die Wirtschaft läuft gut, aber nicht zu gut. Einerseits wird für den Euroraum für 2017 mit einem Wirtschaftswachstum von ca. 2% gerechnet: dass ist eine solide Entwicklung und besser als von vielen Volkswirten zu Beginn des Jahres noch erwartet. Andererseits bedeutet eine Wachstumsrate von etwa 2%, dass die Wirtschaft nicht heißgelaufen ist. In diesem Fall müssten nämlich Inflationsgefahren befürchtet werden, die wiederum Reaktionen der Notenbanken provozieren würden in Form von eventuell deutlicheren Zinserhöhungen. Nach der derzeitigen Datenlage deutet wenig darauf hin, dass in absehbarer Zeit deutlich höhere Inflationsraten befürchtet werden müssten. Insofern kann gegenwärtig tatsächlich von einer stabilen Wirtschaftsentwicklung ohne größere Preisrisiken gesprochen werden. Übrigens: Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird weiterhin nicht zuletzt vom Konsum der privaten Haushalte getragen.

Auch die weitere Entwicklung wird tendenziell positiv eingeschätzt. Viele Frühindikatoren wie etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland stehen weiterhin auf Grün, d.h. die Stimmung in der Wirtschaft ist grundsätzlich positiv. Ähnliches trifft auch für andere Staaten des Euroraumes zu.

Bei aller Zuversicht darf nicht vergessen werden, dass allerdings weiterhin beträchtliche geopolitische Risiken bestehen, die das Potenzial haben, die wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden. Zuallererst muss an dieser Stelle der Nordkorea-Konflikt genannt werden, der bei einer möglichen Eskalation aller Voraussicht nach sehr negative Folgen für die weltwirtschaftliche und damit auch auf die europäische Wirtschaft hätte.

Arbeitsmarkt weiter robust

Der Arbeitsmarkt in Deutschland entwickelt sich unverändert robust. Die Bundesanstalt für Arbeit erkennt aktuell keine Hinweise, die auf eine Veränderung des positiven Trends hinweisen könnten. Deshalb überrascht es auch nicht, dass die deutschen Verbraucher wie oben bereits erwähnt aufgrund einer insgesamt als relativ hoch wahrgenommenen Arbeitsplatzsicherheit eine unverändert hohe Konsumneigung zeigen. Der GfK-Konsumgüterindex bestätigt diesen Sachverhalt.

Deutscher Außenhandel bislang vom höheren Kurs des Euro unbeeindruckt

Die jüngsten Zahlen zum deutschen Außenhandel zeigen einen weiterhin robusten Export. Der deutsche Außenhandelsüberschuss hat sich zwar aufgrund der relativ stärker gewachsenen Importe etwas eingeengt. Trotzdem dürften die deutschen Exporte nach aktuellen Prognosen 2017 um etwa 5% auf dann ca. 1.270 Mrd EUR wachsen. Bei den Importen wird für 2017 mit einem Plus von 6% auf dann 1.012 Mrd EUR gerechnet. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat sich also der stärkere Euro noch nicht spürbar auf den deutschen Export ausgewirkt.

In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung des Außenhandels Chinas interessant. Hier ist der Außenhandelsüberschuss auf den höchsten Wert seit 2 Jahren geklettert, sodass die chinesische Regierung sogar eine deutliche Aufwertung (7,5% seit Jahresbeginn) ihrer Währung Yuan zum USD zugelassen hat. Wir erinnern uns eventuell noch an den Jahresbeginn 2016. Damals war alle Welt in Aufregung wegen der vermeintlichen Schwäche der chinesischen Wirtschaft sowie des Yuan.

Im Zusammenhang mit Zahlen zum Außenhandelt ist auch die Entwicklung der britischen Ex- und Importe interessant. So konnten zumindest bislang die britischen Exporte wenig von der Abwertung des britischen Pfund profitieren. Da sich allerdings die Importe für die Briten aus genau diesem Grund verteuert haben scheinen die Folgen der Währungsabwertung bis heute tendenziell eher negativ für GB zu sein.

Verbraucherpreise steigen weiterhin nur moderat

Die Verbraucherpreise sind zwar im Euroraum mit einer Inflationsrate von 1,5% (August 2017) etwas stärker als erwartet gestiegen (Deutschland 1,8%), trotzdem liegt diese Rate weiterhin unterhalb der von der EZB als Ziel formulierten 2%. Zudem könnte der seit einigen Monaten wieder deutlich stärkere Euro infolge einer damit möglicherweise verbundenen Verbilligung von Importen den Preisauftrieb wieder verlangsamen. In den USA steigen die Verbraucherpreise zwar etwas deutlicher als im Euroraum. Insgesamt jedoch erscheint die US-Inflation vor dem Hintergrund der relativ guten US-Konjunktur als eher gering.

Kleiner Exkurs an der Stelle: Die Entwicklung der Vermögenspreise wie z.B. Immobilien, Aktien, Anleihen werden bei den o.a. Zahlen grundsätzlich nicht berücksichtigt. Hier lassen sich bei vielen Assetklassen in den vergangenen Jahren durchaus zum Teil deutliche Preissteigerungen feststellen. Und ein Hinweis zur Höhe der Mietausgaben: Nach einer aktuellen Studie geben mittlerweile 40% der Privathaushalte in deutschen Metropolen mehr als 30% ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus.

Geldpolitik: In Europa weiterhin sehr expansiv (aber: Suche nach dem Bremspedal ?)

Die EZB hat auf ihrer letzten geldpolitischen Sitzung ein weiteres Mal beschlossen, die Höhe der Leitzinsen im Euroraum unverändert zu lassen. Der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank refinanzieren können, bleibt bei 0,00%; der Einlagensatz, zu dem Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld anlegen können, beträgt weiter -0,40% (Negativzins). Diese Zinsentscheidung oder besser (Nicht-)Zinsentscheidung war von den Märkten erwartet worden. Spannender war und ist für Beobachter die Frage, wie die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm weiter verfahren möchte. Zur Zeit kauft die EZB monatlich für 60 Mrd EUR europäische Staatsanleihen sowie Unternehmensanleihen. Dieses Kaufprogramm soll zunächst bis Ende 2017 laufen. Ob und in welcher Form (Umfang, Zeitdauer) die EZB dieses Programm 2018 weiterführt ist noch unklar. Präsident Draghi verwies in dieser Frage auf die nächste Ratssitzung im Oktober 2017. Viele Experten gehen gegenwärtig davon aus, dass die EZB ab Januar 2018 das Kaufprogramm volumenmäßig auf eventuell 40 Mrd EUR monatlich reduzieren wird. Bei vielen deutschen Ökonomen sowie Bankenvertretern ist die EZB-Niedrigzinspolitik sowie insbesondere das EZB-Anleihekaufprogramm sehr umstritten.

Hinsichtlich der weiteren geldpolitischen Ausrichtung der US-Notenbank Fed sind sich die Experten ebenfalls unsicher. Die Frage ist, ob die Fed die US-Leitzinsen in diesem Jahr noch ein weiteres Mal erhöhen wird oder der nächste Zinsschritt erst 2018 folgt. Außerdem wird von der Fed eine Antwort auf die Frage erwartet, wie ein eventueller Rückbau der Bilanz, d.h. eine Verringerung der durch die Anleihekäufe stark aufgeblähten Notenbankbilanz, aussehen könnte. Die geldpolitischen Entscheidungen der Fed werden wie die der EZB maßgeblich von der Inflationsentwicklung beeinflusst; anders als in Europa ist die Fed daneben ausdrücklich angehalten, zusätzlich gesamtwirtschaftliche Entwicklungen wie z.B. den Arbeitsmarkt in ihre Entscheidung einfließen zu lassen. Bei der Zielsetzung der EZB hat gem. Statut die Preisniveaustabilität Vorrang; natürlich sind aber auch von der europäischen Zentralbank die gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen (z.B. hinsichtlich des Wirtschaftswachstums) ihrer Entscheidungen zu berücksichtigen.

B. Unternehmen/Branchen

Containerschifffahrt sortiert sich neu: Hapag-Lloyd verbessert Ergebnis deutlich

Die Containerschifffahrt sortiert sich neu. Große Reedereien schließen sich zusammen, werden übernommen oder scheiden aus dem Markt aus. Die Branche konsolidiert. Neun Jahren Krise haben ihre Spuren hinterlassen. Doch für die großen Reedereien der Welt, die in dieser Zeit durch strategische Maßnahmen wie z.B. Fusionen und Übernahmen ihre Marktposition verbessern konnten, erscheint vermehrt Licht am Horizont. Dies gilt auch für die größte deutsche Reederei, die Hamburger Hapag-Lloyd. 2014 übernahm Hapag-Lloyd das Containergeschäft der chilenischen Reederei CSAV. Die Chilenen erhielten im Gegenzug seinerzeit 30% der Hapag-Lloyd-Aktien. 2017 erfolgte ein weiterer großer Schritt: Die Fusion mit der United Arab Shipping Company (UASC). Dadurch hat sich Hapag-Lloyd mit einer Flotte von ca. 220 Schiffen zur weltweit fünftgrößten Linienschifffahrtsgesellschaften entwickelt. Für das erste Halbjahr 2017 konnte Hapag-Lloyd auch von einer deutlichen Ergebnisverbesserung sowie einem gesunden Wachstum der Transportmengen berichten. Der Kursverlauf der Aktie hat diese positive Geschäftsentwicklung aufgenommen und zeigt deutlich nach oben. So wurde die Aktie im Rahmen des Börsengangs in November 2015 zu 20,00 EUR ausgegeben; nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase konnte die Aktie in diesem Jahr überdurchschnittlich zulegen.

Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA): HHLA mit mehr Umsatz und starkem Ergebnis im ersten Halbjahr 2017. Positive Kursentwicklung der Aktie an der Börse in 2017.

Die HHLA als einer der führenden europäischen Hafen- und Transportlogistikkonzerne betreibt drei von vier Containerterminals im Hamburger Hafen und verbindet den Hafen mit Wirtschaftsräumen im Binnenland. Daneben ist die HHLA als Logistikkonzern auch im osteuropäischen Ausland engagiert. Für das erste Halbjahr 2017 konnte die HHLA-Vorstandvorsitzende Angela Titzrath von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung berichten: So wuchs der Containerumschlag um 12%, der Containertransport um 7%; die Konzernumsätze konnten um 9% zulegen, das Betriebsergebnis (EBIT) stieg noch deutlicher. Die HHLA profitiert von einer anhaltend positiven Konjunktur und sieht sich aufgrund gezielter Anlageinvestitionen gut aufgestellt. Der Konzern hat angekündigt, weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Umsetzung innovativer Technologien setzen zu wollen. Allerdings bremst die noch fehlende Elbvertiefung die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns. Falls die Elbvertiefung kommt wäre unter der Voraussetzung einer stabilen weltwirtschaftlichen Entwicklung mit noch stärkerem Wachstum beim Containerumschlag zu rechnen. Personelle Veränderungen gab es in diesem Jahr (2017) an der Konzernspitze: Zum 1.1.2017 übernahm Angela Titzrath des Amt der Vorstandvorsitzenden. Seit Juni 2017 ist der ehemalige Vorstandvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Dr. Rüdiger Grube, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der HHLA.

Automobilindustrie: Deutsche Automobilproduzenten unter Druck

Der Dieselskandal, der seit Herbst 2015 insbesondere den VW-Konzern belastet, scheint zum Auslöser möglicherweise weitreichender Veränderungen in der Automobilindustrie zu werden. Der Dieselantrieb ist in Verruf gekommen; dies trifft nicht nur die deutschen Autobauer, sondern Automobilproduzenten weltweit. Unabhängig von der Frage, ob die öffentliche Aufregung um den Diesel Bestand haben wird, werden sich die Konzerne heute und in der Zukunft verstärkt mit alternativen Antriebsformen beschäftigen müssen, die mittelfristig eine größere Bedeutung haben werden. Dabei ist nicht ausgemacht, welche der neuen Antriebe (Elektromotor, Brennstoffzelle,…) letztlich das Rennen macht. Auch wird der Verbrennungsmotor für viele Jahre noch die primäre Antriebsform bleiben. Aber es scheint aus heutiger Sicht wahrscheinlich, dass auf wichtigen Märkten wie dem weltweiten Automarkt Nr. 1 China hinsichtlich der Antriebsformen neue Wege gegangen werden müssen. In Europa hat beispielsweise ein skandinavisches Land bereits angekündigt, ab 2030 die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren zu untersagen. Daneben gibt es noch weitere Themen, die die Autoindustrie umtreiben: Neue Formen der Mobilität wie autonomes Fahren, car-sharing, zunehmende Vernetzung,…Im Zusammenhang mit der digitalen Vernetzung drängen die großen US-Technologiegiganten wie Apple, Google, Facebook,… auf den Markt. Hier wird es zukünftig aller Voraussicht nach eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Automobilindustrie und Technologiekonzernen geben. Ob Letztgenannte selbst zum Autobauer werden erscheint allerdings zweifelhaft. So sind die durchschnittlich zu erzielenden Gewinnmargen der Automobilindustrie zumindest aktuell nicht unbedingt attraktiv für Apple, Google und Co. Ein Wort noch zu den Aktienkursen der deutschen Autobauer: Aktuell scheint in den Kursen, auch wenn es in den letzten Tagen bereits zu Kurserholungen kam, weiterhin noch relativ viel Pessimismus eingepreist. Die Aktien erscheinen damit für manche Experten noch als relativ niedrig bewertet.

Apple präsentiert Geburtstags-iPhoneX

Zehn Jahre nach dem Start des ersten Smartphone stellte Apple sein neues iPhoneX sowie das neue iPhone8 sowie 8Plus der Öffentlichkeit vor. Das mit Spannung erwartete Geburtstagsmodell iPhoneX kann erstmals durch Gesichtserkennung entsichert werden. Damit wird der Fingerabdrucksensor abgelöst. Außerdem kann das iPhoneX ohne Kabel aufgeladen werden. Der Preis für das Modell iPhoneX wird bei mindestens 1.149 EUR liegen. Ab 3.11. wird es dem Handel zur Verfügung stehen. Für Apple ist das iPhone das mit Abstand wichtigste Produkt. Über 60% des Umsatzes wird durch das iPhone erzielt. Seit 2007 wurden ca. 1,2 Mrd iPhones verkauft. Der Technologiekonzern Apple ist das wertvollste börsennotierte Unternehmen weltweit. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt ca. 860 Mrd USD (beim aktuellen Wechselkurs entspricht dies ungefähr 714 Mrd EUR) Seit Einführung des ersten iPhone im Jahr 2007 hat der USD-Kurs von Apple – natürlich unter Schwankungen- um ca. 1120 Prozent zugelegt. Dabei erscheint die Aktie mit einem KGV von 17,6 (2016/17) sowie 14,7 (2017/18) noch nicht überbewertet. Dabei wird allerdings für 2017/18 ein deutlicher Gewinnanstieg unterstellt. Aktuell gehen die meisten Analysten von einer weiter positiven Kursentwicklung aus. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten 12-Monate liegt bei ca. 175 USD; aktuell notiert die Aktie bei ca. 160 USD.

Air Berlin: Interessenten geben ihre Gebote ab. Ende der Bieterfrist.

Neben Lufthansa und Easyjet bietet nun auch der frühere Rennfahrer Niki Lauda zusammen mit der Ferienfluggesellschaft Condor, die zum britischen ReiseveranstalterThomas Cook gehört, eine Offerte für Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Zusätzlich hat der Nürnberger Unternehmer Wöhrl sein Interesse an Air Berlin angemeldet. Bis zum 25. September soll nun entschieden, welcher der Interessenten zum Zuge kommt. Air Berlin hatte nach einer Reihe von Verlustjahren Insolvenz anmelden müssen. Der Hauptaktionär Etihad war offenbar nicht mehr bereit, die zweitgrößte deutsche Fluglinie weiterhin finanziell zu unterstützen. Die Aktie von Air Berlin, die schon vor der Insolvenz zu einem Penny-Stock geworden war, verlor nach Bekanntwerden der Insolvenz noch einmal drastisch an Wert. Seitdem kommt je nach Nachrichtenlage zu wilden Kursausschlägen.

C. Finanzmärkte

Aktienmarkt

Seitdem das Vertrauen hinsichtlich der Umsetzung der geplanten wirtschafts- und finanzpolitischen Vorhaben durch die neue US-Regierung seitens der Investoren deutlich nachgelassen hat und der US-Dollar vor diesem Hintergrund ziemlich Federn lassen musste hat sich der deutsche Aktienindex DAX von seinen Höchstständen von etwa 12.800 Punkten wieder gen Süden entfernt. Ein schwächerer US-Dollar, sprich ein stärkerer EUR, belastet tendenziell die deutsche Exportwirtschaft, der wiederum relativ große Bedeutung im DAX zukommt. Zusätzlich sorgen geopolitische Risiken für Nervosität bei den Anlegern. Insbesondere der ungelöste Nordkorea-Konflikt birgt das Risiko militärischer Auseinandersetzungen. Neben den unkalkulierbaren humanitären Konsequenzen einer solchen dramatischen Zuspitzung würden zweifellos auch die Weltwirtschaft und damit die Finanzmärkte getroffen. Zwischenzeitlich ist der DAX sogar unter die 12.000 Punkte-Marke gesunken. Mittlerweile hat allerdings eine Erholung eingesetzt, sodass der deutsche Leitindex sich wieder bis auf ca. 12 500 Punkte hocharbeiten konnte. Die weitere Marktentwicklung wird ganz wesentlich davon abhängen, ob die Situation um Nordkorea auf diplomatischem Wege und damit ohne Einsatz militärischer Mittel gelöst werden kann. Daneben wird weiterhin die Geldpolitik der Notenbanken die Aktienmärkte beeinflussen. Der weitere Verlauf der Weltkonjunktur ist ohnehin ständig unter Beobachtung der Akteure. Sollten sich hier Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung bemerkbar machen würde dies die Märkte sicherlich belasten. Last not least machen sich viele Anleger vor dem Hintergrund der nunmehr bereits acht Jahre lang währenden Hausse Sorgen. Zumal die US-Märkte, nimmt man das KGV als Maßstab, eher hoch bewertet sind. Europäische Aktien sind hier im Vergleich günstiger. Allerdings werden sich europäische Aktienmärkte kaum von der Entwicklung in den USA abkoppeln können. Die schwierige Frage lautet also: Stehen wir vor dem Ende dieser Aufwärtsbewegung ? Kein Trend hält bekanntlich ewig. Analysten von Goldmann Sachs haben unlängst etwas beruhigende Worte gefunden: Die Stimmung an den Märkten ist zwar gut, aber nicht völlig sorglos. Und solange sich die Anleger Sorgen machen und sich insofern noch keine Euphorie ausbreitet stehen wir wahrscheinlich noch nicht unmittelbar vor dem Ende der Hausse. Außerdem ist – trotz eines absehbaren Endes der extrem lockeren Geldpolitik in den USA – weiterhin viel Liquidität vorhanden. Bis auf weiteres gilt möglicherweise: The Show must go on.

Rentenmarkt: Zinswende zumindest verzögert

Die Renditen deutscher Bundesanleihen sowie auch von US-Staatsanleihen, die nach der Wahl des neuen US-Präsidenten vor dem Hintergrund eines erwarteten Konjunkturstimulus und damit verbundener höherer Inflationserwartungen zunächst gestiegen waren, ermäßigten sich wieder. Und zwar in dem Maße, in dem deutlich wurde, dass diese hohen Erwartungen an die Wirtschafts- und Fiskalpolitik der US-Regierung in Richtung möglicher Wachstumsimpulse zunächst enttäuscht werden würden. Allerdings sieht es aktuell danach aus, dass die Anleiherenditen nicht weiter zurückkommen, sondern tendenziell wieder ansteigen. Gegenwärtig liegt die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe bei ca. 0,40%; 10-jährige US-Staatsanleihen bringen eine Rendite von etwa 2,20%. Die weitere Zinsentwicklung wird maßgeblich von den Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie den Inflationserwartungen und der damit verbundenen geldpolitischen Entscheidungen abhängen. Insgesamt geht eine Mehrheit am Markt zumindest für längere Laufzeiten von leicht anziehenden Renditen aus. Risiken sehen Experten im Bereich der Ramschanleihen (Junk Bonds), d.h. bei Anleihen von Emittenten mit niedriger Bonität. Auch in diesem Marktsegment sind die Renditen mittlerweile relativ niedrig und die Risiken insofern nicht immer angemessen berücksichtigt.

Devisenmarkt: Der Euro zieht überraschend schnell an

An den Devisenmärkten hat der Euro in relativ kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen. Diese Aufwertung des Euro gegenüber dem USD kam für viele Marktteilnehmer, zumal in dieser Geschwindigkeit, überraschend. Zu Beginn des Jahres war häufig noch von einer weiteren Abwertung des Euro gegen den USD bis hin zur Parität die Rede. Genau das Gegenteil trat ein: Kostete der Euro vor einigen Monaten noch 1,05 USD hat der Euro mittlerweile ein Niveau von 1,20 USD erreicht. Wir sehen insofern möglicherweise eine Trendwende am Devisenmarkt, die eine mehrjährige Aufwärtsentwicklung des Euro einleiten könnte. Als Ursachen für diese Entwicklung werden genannt: Abnehmende politische Risiken im Euroraum (die Wahl des französischen Präsidenten Macron sowie das Ergebnis der niederländischen Parlamentswahl hat die Akteure deutlich beruhigt), relativ stabiles Wirtschaftswachstum im Euroraum verbunden mit enttäuschten Erwartungen hinsichtlich der US-Regierung. Das treibt Investoren tendenziell in den Euro. Allerdings ist nicht jeder glücklich mit dem stärkeren Euro: Importe wie z.B. Rohstoffe, Öl,… werden für Europäer zwar günstiger; dies führt aber möglicherweise wieder zu einem Rückgang der Inflationsraten (und dies sieht die EZB gegenwärtig nicht so gerne). Außerdem werden durch einen stärkeren Euro Exporteure belastet (auch wenn nach vorherrschender Meinung der aktuelle Wechselkurs von ca. 1,20 USD für europäische Exporteure noch kein Problem darstellt). Insgesamt betrachten Volkswirte die gegenwärtige Situation an den Devisenmärkten allerdings mit Gelassenheit und sprechen eher von einer Entwicklung hin zu einem angemessenen Wechselkursniveau.

Rohstoffe/Öl: Industriemetalle zum Teil auf Mehrjahreshoch; Ölpreise ziehen an

Die Preise von Industriemetallen wie etwa Kupfer, Zink,… sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Kupfer und Aluminium kletterten auf Dreijahreshoch, Zink gar auf Zehnjahreshoch. Die Märkte erwarten hier offenbar für die kommenden Jahren Angebotsdefizite. Bankanalysten sprechen allerdings von übertriebenen Preisanstiegen. Die Preise seien zu schnell und zu weit gestiegen.

Der Rohölpreis ist unlängst wieder auf ein mehrmonatiges Hoch gestiegen. Aktuell kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent ca. 55,00 USD, die US-Sorte WTI ca. 50 USD/Barrel. Der Markt reagiert offenbar auf Prognosen, die eine steigende Nachfrage nach Rohöl vorhersagen. Außerdem sind natürlich wichtige Produzenten wie z.B. Saudi-Arabien, Russland an höheren Preisen interessiert. Saudi-Arabien möchte im nächsten Jahr Teile seines staatlichen Ölkonzerns an die Börse bringen – da würde ein höherer Ölpreis helfen.

Goldpreis: Goldpreis steigt wegen geopolitische Spannungen

Vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken sowie eines schwächeren USD hat der Goldpreis in den letzten Monaten bis auf in der Spitze 1.330 USD zugelegt. Damit schreitet beim Goldpreis die Bodenbildung voran. Allerdings scheint charttechnisch betrachtet erst bei Preisen von über 1.370 USD weiter Luft nach oben. Für Euro-Anleger hat sich die Entwicklung des Goldpreises allerdings nicht so richtig ausgezahlt. Denn Gold wird bekanntlich in USD gehandelt – und der USD hat in den letzten Monaten an Wert verloren.

Bitcoin/Kryptowährungen: Chinesisches Aus für Bitcoin-Handel belastet Bitcoin-Kurs

Nachdem eine Reihe chinesischer Börsenplätze, die den Handel mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen betreiben, die Aufgabe dieser Geschäfte ankündigten wird davon ausgegangen, dass sämtliche chinesischen Kryptobörsen voraussichtlich bis Ende September den Handel einstellen müssen. Da der Anteil chinesischer Kryptobörsen ca. 25% des weltweiten Bitcoin-Handels ausmacht hinterlässt diese Entwicklung deutliche Bremsspuren bei den Notierungen. Der Kurs der bekanntesten Digitalwährung Bitcoin rutschte zeitweise unter die 3.000 USD-Marke und hatte damit seit Anfang September ca. 40% an Wert verloren. Allerdings hatte der Bitcoin-Kurs in den Monaten zuvor extrem zugelegt. US-Banker haben sich inzwischen zunehmend kritisch zu Kryptowährungen geäußert. Auch die Notenbanken stehen der Entwicklung skeptisch gegenüber. Nicht ausgeschlossen ist deshalb, dass auch in anderen Staaten entsprechend restriktive Regulierungen umgesetzt werden.

Und zum Schluss…

Am Ende der Marktbetrachtungen noch eine kleine Anmerkung: Wir wissen, dass wir nichts wissen (oder zumindest nicht viel) – gerade und besonders wenn es um die Zukunft geht. Die eine Entwicklung ist eventuell wahrscheinlicher als die andere – mehr aber auch nicht. Vielleicht wäre das Leben auch langweilig wenn wir die Zukunft schon sicher voraussehen könnten …