Fachlehrerseminar 25. & 26.04.2017

Die Rahmenbedingungen

Das BWV (Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.) lädt jährlich zu einem zweitägigen Seminar ein, an dem „Versicherungs-Fachlehrer“ aus ganz Deutschland zusammenkommen, interessante Vorträge aus der Praxis hören und die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch haben.

Das diesjährige Fachlehrerseminar Nord fand in der NV-Versicherungen, Neuharlingersiel (Ostfriesland) statt. Insgesamt nahmen 53 Versicherungsfachlehrer aus Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen, Darmstadt, Detmold, Dortmund, Düsseldorf, Emden, Essen, Flensburg, Gelsenkirchen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Itzehoe, Kassel, Kiel, Köln, Krefeld, Lingen, Lübeck, Lüneburg, Magdeburg, Meschede, Moers, Mönchengladbach, Münster, Osnabrück, Potsdam, Rostock, Schwerin, Stade und  Wuppertal teil.

Von unserer Schule durften Christoph Herburg und Mette Seifert den Weg nach Ostfriesland antreten!

Tag 1 – der Ablauf

Das Seminar begann um 11 Uhr mit einem herzlichen Empfang von Holger Keck (Vorstand NV-Versicherungen) im nagelneuen Gebäude der NV-Versicherungen (mit Blick auf die Nordsee).

Neben ostfriesischen Weisheiten gab er einen interessanten Einblick in die Geschichte der NV-Versicherungen und stellte vor allem auch die Vorzüge eines kleinen Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (VVaG) dar.

Weiter ging es mit interessanten Vorträgen zu aktuellen Themen in der Versicherungsbranche.

Folgend finden Sie kurze Zusammenfassungen der wesentlichen Inhalte:

Vortrag 1: „Von der Klassik zur Moderne – Lebensversicherung im Wandel der Zeiten“ – Referent: Karsten Domke (Abteilungsdirektor Mathematik /bAV, verantwortlicher Aktuar der Öffentlichen Versicherungen, Oldenburg)

Aus Sicht eines Aktuars stellte Karsten Domke die derzeitigen Probleme der Lebensversicherungen dar, erläuterte Hintergründe und zeigte Merkmale zukunftsfähiger Produkte auf.

…die Welt im Wandel, speziell die der Lebensversicherung

Die Komplexität innerhalb der Lebensversicherungsprodukte am Markt erhöht sich zunehmend durch Vorgaben der EU und der deutschen Gesetzgebung. Die Forderung nach mehr Transparenz und scheinbar exakte Vorgaben bei fehlender inhaltlicher Vergleichbarkeit erschweren die Situationen für die Versicherungsunternehmen. Ab dem 01.01.2018 wird beispielsweise die Herausgabe weiterer Informationsblätter (wie man es bisher nur von zertifizierten Produkten kennt) Pflicht. Ob diese neuen Informationsblätter einen Mehrwert für den Kunden darstellen oder nur zu mehr Verunsicherung führen, wird sich noch zeigen.

Zudem lässt sich in den letzten Jahren eine Tendenz beobachten, in der der Gesetzgeber und Verbraucherorganisationen den Fokus stärker auf das Interesse einzelner Versicherungskunden legen und damit die Versicherungsgemeinschaft (das Kollektiv) insgesamt schwächen.

Als Beispiel seien hier nur die Erhöhung der Rückkaufswerte und die Beteiligung an den Bewertungsreserven genannt.

Es entsteht so ein Konflikt zwischen kollektiven und individuellen Verbraucherinteressen! Der einzelne Kunde profitiert z.B. von einer höheren Auszahlung. Das Versicherungskollektiv „leidet“ hingegen, da Kapital aus dem kollektiven Sparprozess entzogen bzw. der „Puffer“ für den Risikoausgleich reduziert wird.

Kann man hierbei vielleicht schon von einer Aushöhlung des Versicherungsgedankens sprechen? Hierüber lohnt es sich zu diskutieren!

Nicht zuletzt stellt natürlich die anhaltende Niedrigzinsphase die Branche vor eine große Herausforderung. Unter heutigen Bedingungen gibt es keine risikofreien Kapitalanlagen, die einen Zins von beispielsweise 4% erwirtschaften. Hier muss es eine Neuorientierung bei der Gestaltung von Versicherungsprodukten geben.

Aber wie könnten Produkte der Zukunft aussehen, die sowohl die aufsichtsrechtlichen Gegebenheiten (Solvency II) als auch die aktuelle Niedrigzinsphase berücksichtigen?

Hier einige Beispiel:

  • Reine Fondsgebundene Lebens- bzw. Rentenversicherungen mit Verlagerung des Anlagerisikos auf den Kunden
  • Fondsgebunde Produkte mit Garantiefonds und Verlagerung der Garantien auf eine Kapitalanlagegesellschaft (ggf. fallen hierfür andere Garantiekosten an)
  • Garantieerzeugung durch intelligente Fondskonzepte: Dynamische Hybridprodukte mit Umschichtungsmechanismus zwischen sicheren und riskanten Fonds
  •  Auslagerung von Garantien an die Rückversicherung
  •  Hedgingkonzepte, z.B. „Variable Annuties“
  • Konzepte zur Anbindung der Anlageerfolge des Versicherers an die Zinszusagen
  • Reduktion der langfristigen Garantien durch einen Staffelzins mit Abschnittsgarantien
  • Reduktion der langfristigen Garantien im Rentenbezug durch Aktualisierung der Rechnungsgrundlagen bei Rentenübergang (d.h. der Zins bzw. auch die aktuelle Sterbewahrscheinlichkeit bei Rentenbeginn wird zu Grunde gelegt)
  • Verstärkung der Bestände mit biometrischen Risikoabsicherungen für Tod oder Berufsunfähigkeit

In Zeiten großer Verunsicherungen (verstärkt durch eine zum Teil unvollständige Berichtserstattungen in den Medien) und der dargestellten Problematiken ist es eine große Herausforderung, den potenziellen Kunden die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Altersvorsorge deutlich zu machen.

Die Zukunft wird zeigen, ob es der Branche gelingt, attraktive Produkte für die Branche zu gestalten und Mitarbeiter mit genügend (fundierter) Überzeugungskraft auszubilden.

 

Vortrag 2: Digitalisierung in der Versicherungsbranche am Beispiel „Haftpflicht Helden“ – Referent: Tobias Hoiten (Marketing Manager, NV Versicherungen)

Ist die Zukunft der Versicherung digital? Wollen die Kunden das überhaupt? Wie kann eine solche Digitalisierung der Versicherungsbranche aussehen?

Eines scheint klar zu sein: Die Zukunft der Versicherer ist digital! Kunden wünschen einen digitalen Zugang zur Versicherung über digitale Kanäle und das 24 Stunden und 7 Tage die Woche. Dennoch ergeben Befragungen, dass die Kunden auf eine persönliche Betreuung nicht verzichten wollen.

Gerade InsurTechs (Technologieunternehmen, die sich auf Dienstleistungen im Bereich der Versicherungswirtschaft spezialisiert haben) nutzen diesen digitalen Umbruch in der Versicherungsbranche.

Als Beispiel können hier die „Haftpflicht Helden“ genannt werden. Sie haben eine App entwickelt, die den Nutzer über die Notwendigkeit sowie den Leistungsumfang einer Privathaftpflichtversicherung informiert und den Abschluss per Smartphone (oder Internet) in weniger als 3 Minuten ermöglicht. Darüber hinaus sind sämtliche Vertragsänderungen inkl. Kündigungen, die Nutzung eines Wechselservices und die Schadenabwicklung über diese App möglich.

Aber woher kommt nun das versicherungsspezifische Knowhow? Ganz einfach! Von den „NV Versicherungen“. Das Privathaftpflichtprodukt, welches über die App der Haftpflicht Helden angeboten wird, wurde in Kooperation mit den „NV Versicherungen“ entwickelt. Die Vertrags – und Schadensbearbeitung wird durch die Mitarbeiter der NV Versicherungen vorgenommen.

Das „App-Produkt“ in Kürze:

  • 72 € Jahresbeitrag (ja der Beitrag ist sogar höher als bei der Proximus Versicherung ;-))
  • 150 € Selbstbeteiligung bei jedem Schaden
  • täglich kündbar
  • der Leistungsumfang entspricht immer dem besten Schutz am Markt
  • Beitragszahlung über SEPA, PayPal oder Kreditkarte
  • Beitragsreduzierungen durch erfolgreiche Empfehlungen in Höhe von 6 € pro Person und Jahr. Somit lässt sich der Beitrag sogar auf 0 € reduzieren.

Aber werden die Kunden zukünftig die Versicherungen wirklich per App abschließen? Wie lässt sich das mit dem Wunsch einer persönlichen Beratung vereinen? Kann eine App wirklich eine persönliche Beratung ersetzen? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen müssen ggf. verändert werden? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Ist dies ein weiterer Schritt zum gläsernen Menschen (Datensammlung, Standorttracking, etc.)? Und was bedeutet das Ganze eigentlich für den Beruf Kauffrau für Versicherungen und Finanzen? (Vgl. Vortrag 4: Aktuelles aus dem Bildungsverband- Kompetenzlabor 2016)

Über diese Fragen wurde viel diskutiert – doch auch diese Antworten liegen wohl in der Zukunft.

 

Vortrag 3: Pflegefinanzierung unter Berücksichtigung der demografischen Herausforderung und aktuelle Gesetzgebung – Referent: Daniel Schaffer (Verband der Privaten Krankenversicherung e. V., Berlin)

Im Vortrag wurde sehr deutlich dargestellt, vor welcher Herausforderung die Pflegeversicherung steht.

Bis 2060 wird mit einer Abnahme der Bevölkerungszahl von 81 Mio. auf 69 Mio. gerechnet. Problematisch ist hierbei die quantitative Verschiebung der Bevölkerungssegmente zu bewerten. Prognosen zur Folge wird die dann erwerbstätige Bevölkerungsgruppe (20 – 67 jährige) um 15 Mio. schrumpfen und die Bevölkerungsgruppe ab 67 Jahren um 7 Millionen wachsen.

Mit einem Drittel weniger Erwerbstätigen geht auch ein Drittel der Einnahmen verloren. Gleichzeitig wächst aber der Bedarf an medizinischer Behandlung und Pflege.

Unter anderem aus diesem Grund wurde das Pflegestärkungsgesetz I (PSG I) am 01.01.2015 in Kraft gesetzt.

Mit Einführung des PSG I wurde in der gesetzlichen Pflegeversicherung der Pflegevorsorgefonds geschaffen, welcher ein Sondervermögen bei der Bundesbank ist und ab 2035 für die Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung abgerufen werden kann. In diesen Fonds werden jährlich 0,1% der beitragspflichtigen Einnahmen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung zugeführt. Derzeit sind dies ca. 1,2 Mrd. € für 71,1 Mio. gesetzliche Pflegeversicherter. In der privaten Pflegeversicherung wurden für 9,4 Mio. privat Pflegeversicherte zwischen 2014 und 2015 1,5 Mrd. € den Alterungsrückstellungen zugeführt. Im direkten Vergleich scheinen die Beiträge pro Person für den Pflegevorsorgefonds der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung recht niedrig.

Außerdem wurden durch das PSG I viele ambulante Leistungen flexibilisiert und erweitert. Warum? Ganz einfach – eine stationäre Pflege ist um einiges teurer!

Mit dem Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) am 01.0.1.2016 wurde die zweite Stufe der Pflegereform umgesetzt. Zentrale Bestandteile, wie die neue Definition der Pflegebedürftigkeit, die Einführung von Pflegegraden und neuere Begutachtungsverfahren sind seit dem 01.01.2017 in Kraft.

Ein weiterer Baustein der Pflegereform ist das PSG III. Ziel ist es, die Rolle der Kommunen in der Pflege zu stärken. Des Weiteren wird der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff des SGB XI (Soziale Pflegeversicherung) in das SGB XII (Sozialhilfe) übertragen.

 

Vortrag 4 : Aktuelles vom Bildungsverband – Referentin: Dorothea Schneider (BWV Bildungsverband, München)

Der Bildungsverband stellte abweichend der Tagesordnung bereits am 1. Tag interessante und aktuelle Informationen vom BWV vor.

Informationen zu Proximus 4:

  • Veröffentlichung voraussichtlich im Juni 2018
  • Umsetzung der gesetzlichen Änderungen (z.B. Pflegestärkungsgesetz und IDD)
  • Umsetzung von neuen Produktgenerationen (vor allem neue Garantiemodelle in der LV- vgl. Vortrag 1)
  • Berücksichtigung neuer GDV Musterbedingungen
  • Berücksichtigung gemeldeter Anpassungsbedarfe (Verbesserungsvorschläge können weiterhin jederzeit über eine Vorlage gemeldet werden. Die Volage finden Sie hier!

InnoWard 2017 (Bildungspreis der Deutschen Versicherungswirtschaft):

  • Bewerbungsfrist läuft noch  bis zum 31.05.2017
  • Was wird gesucht? „Wir freuen uns über Bildungskonzepte, die ausgetretene Pfade verlassen, über neue Themen für die Berufliche Bildung in unserer Branche, über Initiativen der Berufsschulen für neue Unterrichtskonzepte oder über außergewöhnliche Lernideen von Azubis – um nur einige Beispiel zu nennen.“
  • Alle weiteren Informationen gibt es hier!

Für dieses Jahr ist es vielleicht etwas kurzfristig, aber ein Ziel könnte doch die Teilnahme im nächsten Jahr sein – oder?

Prüferqualifizierung (mündliche Abschlussprüfung):

Der BWV bietet Prüferqualifizierungen an. Hierbei geht es um einen Kurzüberblick über die Änderungen der Teilnovellierungen im Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen, um die Erstellung von Legenden, um Präambeln und Lernziele der Wahlqualifikationseinheiten, um die Formulierungen von Fragen im Fallbezogenen Fachgespräch  sowie um die Nutzung der Beobachtungs-/ Bewertungsbögen.

Bei Interesse freut sich der BWV über eine E-Mail mit Angabe des Ansprechpartners der zuständigen Handelskammer.

Projekt Kompetenzlabor 2016 – Welche Kompetenzen benötigt die Versicherungswirtschaft künftig?

In diesem Projekt geht es um die Identifikation zentraler Herausforderungen, Trends und deren Auswirkungen auf die Tätigkeitsbereiche des/der Kaufmanns/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen.

Primär geht es um 3 zentrale Bereiche:

  • Informationstechnologische Trends und Herausforderungen
  • Trends und Herausforderungen hinsichtlich Kundenverhalten und Kundenanforderungen
  • Trends und Herausforderungen bei Produkten und Produktinnovationen

Die Ergebnisse des Kompetenzlabors zeigen zwei mögliche Zukunftsszenarien in der Versicherungsbranche auf. Die Versicherer sind künftig entweder Plattformanbieter (wie z.B. Amazon) oder Zulieferer für solche Plattformen. Außerdem wird es künftig verschiedene (zum Teil neue) Tätigkeitsprofile geben:

  • Systembetreuer: Der Systembetreuer arbeitet an der Schnittstelle zwischen Fachabteilung/Kunden und der IT. Er muss demnach sowohl über versicherungsspezifisches Wissen, als auch über eine hohe IT- Affinität verfügen. Für dieses Tätigkeitsprofil wird für die Zukunft ein hoher Bedarf prognostiziert.
  • Fachspezialist: Der Fachspezialist ist für komplexe, anspruchsvolle und nicht automatisierbare Vorgänge zuständig und muss über eine hohe (ggf. auch spezialisierte) Fachkompetenz im Versicherungsbereich verfügen.
  • Kommunikator: Der Kommunikator ist für die Kundenbetreuung zuständig. Neben der Fachkompetenz im Bereich der Versicherungen benötigt er eine hohe Kommunikationsfähigkeit und Spaß im Umgang mit Menschen. Zukünftig werden in diesem Bereich eine „Multikanalfähigkeit“ und eine hohe Medienaffinität immer wichtiger.
  • Kundenberater: Der Kundenberater berät zu allen wichtigen Lebensbereichen. Den Beratungskanal wählt dabei zukünftig der Kunde (persönlich, telefonisch, soziale Medien, etc.). Außerdem koordiniert er das gesamte Dienstleistungsangebot und arbeitet in Netzwerken.

Was bedeutet dies nun für die Ausbildung?

Die meisten der benötigten Kompetenzen sind bereits jetzt in der Ausbildungsordnung verankert. An Bedeutung gewinnen personale Kompetenzen wie Neugier (auch auf technische Entwicklungen), Flexibilität, Kreativität und Agilität. Neu hingegen ist, dass Kompetenzen im IT-Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Hierauf müssen sich alle Akteure der Beruflichen Bildung einstellen und Konzepte zur Vermittlung der benötigten IT-Inhalte, zum Ausbau der Medienkompetenz und zur stärkeren Beachtung der personalen Kompetenzen erarbeiten.

Es bleibt spannend! Ein Blick in die ausführliche Projektbeschreibung und die Ergebnisse lohnt sich. Diese finden Sie hier.

 

Nach einem sehr interessanten und anstrengenden ersten Tag bot der Abend die Gelegenheit für ein Kulturprogramm und einen gegenseitigen, informellen Austausch!

Tag 2 – der Ablauf

Vortrag 5: Aufgaben und Funktionen der ARGE RÜCK – Arbeitsgemeinschaft Rückversicherung der VVaG e.V. – Referent: Mathias Landwehr (Geschäftsführer, ARGE Rück, Schortens)

Im Kern geht es um einen Zusammenschluss von zurzeit 45 (z.T. sehr kleinen) Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit und der Gründung einer Interessenvertretung (ARGE Rück), die die Mitgliedsunternehmen bei der Wahl des passenden Rückversicherungsschutzes unterstützt. Gleichzeitig bietet die ARGE Rück ein Beratungsangebot bei allen anfallenden Fragen und Problemen im Erst- und Rückversicherungsbereich an.

Besonders interessant waren die Informationen zu den zum Teil wirklich sehr kleinen VVaG´s, welche sich als attraktive Versicherer und vor allem auch als attraktive Arbeitgeber präsentierten.

Als Beispiel kann hier die Hamburger Lehrer Feuerkasse VVaG mit 3 Mitarbeitern und Beitragseinnahmen von jährlich 500.000 € genannt werden, dessen Vorstandmitglieder zum Teil in unseren Reihen sitzen (derzeitige bzw. pensionierte GP- Lehrer/innen).

 

Vortrag 6: Stand IDD (Insurance Distribution Directive oder EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie) – Referent: Dr. Maximilian Teichler (Rechtsanwalt, Kanzlei für Versicherungsmanagement, Hamburg)

Welche neuen Anforderungen gibt es bei dem Vertrieb von Versicherungen?

Grundsätzlich erfolgt eine Abkehr von einer materiellen Staatsaufsicht hin zu einer prinzipienbasierten Aufsicht. Aber was heißt das konkret? Alle Versicherungsvertreiber (nach IDD: Makler, Vermittler, Versicherer – auch Rückversicherer hinsichtlich des Vertriebs und Berater) werden zukünftig an bestimmten Prinzipien gemessen.

Zum Beispiel haben sie nach Art. 17 I IDD folgende „Kardinalpflicht“ zu erfüllen:

„Versicherungsvertreiber sollen sich bei der Vermittlertätigkeit stets ehrlich, redlich und professionell gegenüber dem Kunden in dessen bestmöglichen Interesse verhalten.“

Aktuell besteht die Herausforderung, die vorhandenen deutschen Gesetze mit der IDD in Einklang zu bringen. Beispielsweise sehen §6 und §61 VVG eine Beratungspflicht für Versicherer und Makler vor. Art. 20 IDD erlaubt allerdings auch einen Vertrieb ohne Beratung und bestimmt (nur), was im Falle einer Beratung ihr Inhalt sein muss.

Dafür sieht Art. 20 Abs. I, Satz 2 IDD zwingend eine Fragepflicht vor (Ermittlung der Wünsche und Bedürfnisse des Kunden). Das VVG sieht hingegen zumindest bei der Vermittlung von Großrisiken keine Fragepflicht vor.

Erfolgt hier vielleicht sogar ein Paradigmenwechsel von der Verpflichtung zur Befragung („Wünsche und Bedürfnisse erfragen) §61, I 1 VVG hin zu zur Verpflichtung der Gewährleistung der Produktrichtigkeit („jeder angebotene Vertrag muss den Wünschen und Bedürfnissen entsprechen“) Art. 20, I 2 IDD?

Es wird deutlich, dass noch viele Fragen offen sind!

Wie soll beispielsweise im Online-/Direktvertrieb eine Befragung, Angebotserstellung und Begründung erfolgen, sodass der Kunde eine wohlinformierte Entscheidung auch ohne Beratung treffen kann? Oder wie soll das bestmögliche Interesse des Kunden im Produktangebot und in der Beratung gewahrt werden, wenn z.B. der Versicherer kein in jeglicher Hinsicht vollständig, bedarfs- und marktgerechtes Angebot aufweist? Muss es vermehrte Kooperationen und Ventillösungen geben? Oder muss ein Berater den Kunden gar zur Konkurrenz schicken, um seiner Pflicht nachzukommen?

Auch für die Aus- und Weiterbildung bedeutet dies einen Umbruch. Neben einer ausreichenden Grundausbildung (mind. Versicherungsfachmann) müssen Versicherungsvertreiber künftig pro Kalenderjahr 15 erfolgreiche Fortbildungsstunden nachweisen. Aber wie misst man eine „erfolgreiche“ Fortbildung eigentlich? Müssen Vermittler zukünftig regelmäßige Lernerfolgskontrollen ablegen?

Im Bereich der Vergütung der Vermittler darf es zukünftig nicht mehr zur Interessenkollisionen kommen.

So heißt es: „Die Vergütung des Vertriebs darf mit der Pflicht, im bestmöglichen Interesse der Kunden zu handeln, nicht kollidieren“… weiter heißt es:  „Versicherungsunternehmen, die eine Gebühr oder Provision zahlen …, müssen dafür Sorge tragen, dass die Gebühr oder Provision … sich nicht nachteilig auf die Qualität der entsprechenden Dienstleistung für den Kunden auswirkt und nicht die Verpflichtung des Versicherungsunternehmens beeinträchtigt, im besten Interesse seiner Kunden ehrlich, redlich und professionell zu handeln“.

Überprovisionen dürften damit wohl der Vergangenheit angehören!

Hinsichtlich der Art der Vergütung ändert sich insbesondere etwas bei den Versicherungsberatern. Versicherungsberater erhalten nach wie vor ein Honorar vom Kunden. Neu ist, dass sie zukünftig auch konkrete Versicherungsprodukte vermitteln dürfen. Folglich muss zukünftig für jeden Kunden, der von einem Versicherungsberater kommt, ein separates „Provisionskonto“ eingerichtet werden, (welches ggf. mit den Beitragsforderungen verrechnet wird). Der Grund liegt darin, dass der Kunde ja bereits selbst für das Honorar aufgekommen ist und der Versicherer somit keine Provision zahlen musste (Provisionsweitergabegebot).

Für Vertreter und Makler hingegen besteht ein Provisionsweitergabeverbot.

 

Foren zum gegenseitigen Austausch

Am zweiten Tag bestand die Möglichkeit eines intensiven Austauschs zu drei Themen:

  • Beispiel und Austausch wie Schulen Auslandsaufenthalte organisieren und durchführen
  • Beispiel und Austausch wie Schulen die Vermittlung der Inhalte der Fachrichtung Finanzberatung organisieren?Während einige Schulen (wozu auch wir gehören) spezielle „Finanz- Klassen“ einrichten, haben sich andere Schulen dazu entschieden, keine Unterschiede zwischen den gewählten Fachrichtungen zu machen. Somit werden alle Schülerinnen und Schüler im Bereich der Finanzberatung und im Bereich des Schaden- und Leistungsmanagements ausgebildet. Der Vorteil liegt auf der Hand! Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Chance einer noch umfassenderen Ausbildung. Auf der anderen Seite bedeutet dies noch mehr Lerninhalte, ein ggf. noch schnelleres Arbeitstempo etc.
  • Beispiel und Austausch wie Schulen auf die Sachkundeprüfung nach §34 F GewO (Finanzanlagenvermittler) vorbereiten.Einige Schulen haben davon berichtet, dass Sie im Wahlpflichtbereich spezielle Kurse zur Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung bei der IHK anbieten. Diese Kurse werden von den leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern in der Regel gern angenommen.

 

Vortrag 7: Leistungsfälle aus verschiedenen Sach- und Haftpflichtsparten – Referent: Jörg Fischer (Abteilungsleiter, NV Versicherungen)

Zum Abschluss präsentierte uns Jörg Fischer ausgewählte und besondere Schadensfälle und zeigte auch das Vorgehen bei der Schadensbearbeitung auf.

Hier konnten die Lehrer endlich mal wieder Praxisluft schnuppern und spannende Fälle für den GP Unterricht notieren!

Insgesamt waren es zwei sehr interessante Tage in einer sehr schönen Umgebung!

[Mette Seifert]