Kinofilme einmal anders | 26.01.2018

What a difference a German lesson makes! Oder: Abiturvorbereitung der besonderen Art.

Die Meinung der BS11-Schülerschaft zur Veranstaltung
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Allen ist bekannt, wie dröge die Vorbereitung aufs Abitur sein kann. Gerade im Kernfach Deutsch muss man sich manchmal durch klassische Texte kämpfen, die auf dem Weg zum Abitur als ganz schöne Brocken erscheinen. Nichts zu machen, da muss man durch! Auch wenn die Schwere der Abiturthemen einen zuweilen fast zu erschlagen droht.

Aber zum Glück gibt es ja die Möglichkeit, im Fach Deutsch die im Unterricht erworbenen Kenntnisse der Filmanalyse in einem Praxistest unter Beweis zu stellen. Was bietet sich da mehr an, als mit Christian Maintz einen ausgewiesenen Experten an das Berufliche Gymnasium St.Pauli zu holen. Christian Maintz ist nicht nur als Literatur- und Medienwissenschaftler sowie als Dozent an der Hamburger Universität, sondern auch als Autor mehrfach ausgezeichneter Gedichte erfolgreich unterwegs.

Ein Quiz mit 16 Filmtiteln als motivierender Einstieg. Da hatte der Referent die Schüler gleich auf seiner Seite.

Wer gedacht hatte, nun kommt ein trockener Vortrag eines vergeistigten Experten, wurde angenehm enttäuscht. Herr Maintz bietet für unsere angehenden Abiturienten einen lockeren Einstieg in die Filmanalyse. Und so beginnt denn die Veranstaltung mit einem Quiz. Das Auditorium hat die Aufgabe, zu ausgesuchten Filmausschnitten aus mehreren Jahrzehnten Kinogeschichte den richtigen Titel und Regisseur zu nennen. Das macht natürlich allen Spaß. Chaplin, Hitchcock, Spielberg, Fassbinder, Tykwer u.v.a.m. wollen erkannt werden. Die Aufmerksamkeit der roundabout hundertdreißig Anwesenden ist schon mal gewonnen.

Die Themen der Präsentation – etwas akademisch anmutend – aber sehr unterhaltsam präsentiert.

Fachlichen Tiefgang gewinnt der Vortrag, als zentrale Leitfragen zur Filmanalyse vorgestellt werden. Handlung, Figuren. Stil und Aussage sind die Kategorien, die für eine gelungene Filmanalyse und -interpretation immer herangezogen werden sollten. Christian Maintz gelingt es sehr professionell, Genremuster, Handlungsstrukturen, Rollentypen, Perspektivebenen nicht nur zu erklären, sondern immer auch passende Beispiele auszuwählen, um die Fachbegriffe illustrieren zu können.

Die Perspektive & der Bildgrößenausschnitt

Hinsichtlich des Filmstils geht es um die Funktion unterschiedlicher filmischer Gestaltungsmittel. Besonders interessant ist die Frage, wie die Empfindungen und Sympathien der Zuschauer gelenkt werden können. Die Kamera, das Licht, die Musik und die Montage einzelner Szenen sind in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung.

Bewegung, Schnitte, Kamerafahrt

Im Zentrum steht jedoch die Aussage eines Films. Vor dem Hintergrund, dass ein Film immer auch als Spiegel der Gesellschaft zu sehen ist, ergeben sich für Christian Maintz folgende Fragen:

  • Welche Weltanschauungen, Ideologien, Lebensmodelle (z.B. Geschlechterrollen) repräsentieren die Figuren des Films?
  • Welches Bild der dargestellten Gesellschaft entwirft der Film?
  • Welche expliziten oder impliziten Botschaften für den Zuschauer enthält er?

Mit jedem neuen Film, den man als einfacher Kinobesucher sehen wird, werden diese Fragen immer wieder neu zu beantworten sein. Am Ende dieser Einführung in die Filmanalyse ist jedoch nicht nur klargeworden, wie schnell neunzig Minuten Abiturvorbereitung vergehen können, sondern auch, dass zukünftig Filme mit anderen Augen und geschärftem Blick gesehen werden können.

Das Bild der Frau in der Filmgeschichte

Das Wichtigste kommt wie immer zum Schluss: Diese Veranstaltung wäre ohne die umfangreiche Hilfe unseres versierten Technikfachmanns und der tatkräftigen Unterstützung unseres hilfsbereiten Hausmeisters nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank!

Und das Allerwichtigste – das kommt ganz zum Schluss: Die Meinung unserer Schülerschaft zu dieser Veranstaltung. Hier kommt sie. Ehrlich, direkt und ungefiltert:

Fragenbogenaktion in den Klassen BG 19/1-2-3
Welche Bedeutung haben Filme für dich ?
  • Nach einem anstrengenden Tag kann man sich beim Gucken eines Filmes entspannen. (Ansu)
  • Filme drücken Gefühle aus und helfen, versteckte zu zeigen. In Filmen kann man sich auch selber widerspiegeln. (Sophie)
  • Filme sind visuelle Eindrücke. Anders als bei Büchern hat man etwas Lebendiges vor Augen. (Usanee)
  • Filme sind für mich eine Erweiterung meiner Fantasie und dienen als Unterhaltungsmittel. (Bennef)
  • Ich schaue Filme, um unterhalten zu werden, um zu lernen und mir eine andere Blickwiese zu erschließen. (Edonis)
  • Filme vermitteln Gefühle und können meine Charaktereigenschaften verändern. (Sascha)
  • Filme verbinde ich mit Freizeit und meinen persönlichen Interessen. (Max)
Hast du etwas für die Filmanalyse dazu gelernt?
  • Ja, ich weiß nun mehr über die verschiedenen Mittel, um einen Film zu analysieren. (Sophie)
  • Ja, man kann Filme jetzt mit anderen Augen sehen. (Usanee)
  • Ich glaube, ich habe etwas dazu gelernt, aber ich glaube nicht, das ich in der Lage wäre, einen Film kompetent analysieren und interpretieren zu können. (Bennet)
  • Ja, denn vieles – wie z.B. die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten de rkamera, um Effekte und Stimmungen zu erzeugen, waren neu für mich. (Edonis)
  • Das Meiste haben wir schon im Unterricht behandelt. Allerdings wurden viele Fachbegriffe genannt, die mir vorher fremd waren. (Sascha)
  • Ja. Obwohl ich schon ein gewisses Vorwissen hatte, habe ich etwas dazu gelernt. Außerdem wurden durch den Vortag auch einige vergessene Sachen aus dem Gedächtnis wieder hervorgeholt. (Max)
Was hat dir gefallen an dieser Veranstaltung?
  • Die Gestaltung des Vortags war sehr interessant. Jeder konnte mitmachen. Also, man langweilte sich nicht. (Ansu)
  • Die Dauer des Vortrags war gut gewählt. Der Referent hat laut und deutlich gesprochen und ist auf die Schüler eingegangen. (Sophie)
  • Mir hat das Quiz am Anfang gut gefallen. Vor allem, dass jeder Zuschauer dabei mitmachen konnte. (Bennet)
  • Der Referent war sympathisch und man konnte ihm gut folgen. Die Filmausschnitte, die er gewählt hatte, waren sehr unterschiedlich. (Edonis)
  • Das anfängliche Quiz war eine gute Strategie, die Aufmerksamkeit der Schüler zu generieren und hat ganz gut funktioniert. Auch die Vortragsweise war gut. (Lasse)
  • Sympathischer Mensch, Filmausschnitte gut gewählt, 80 Minuten waren genau richtig. (Sascha)
  • Der Teaser der Präsentation, welcher in Form eines Quiz umgesetzt wurde, hat mir sehr gut gefallen. Auch die eher lockere Präsentationsweise war sehr gut. (Max)
Was könnte verbessert werden?
  • Nichts. (Ansu)
  • Die Filmausschnitte könnten aktueller sein. (Sophie)
  • Vielleicht, dass ein kleines HandOut verteilt werden könnte. Ich glaube, das man das gut für das Abitur gebrauchen könnte. (Bennet)
  • Ich denke, dieses Thema ist zu umfangreich für 90 Minuten. Es sollten viellciht nicht alle Aspekte berücksichtigt werden. (Edonis)
  • Auch während des Vortrages mit den Schülern interagieren, da dies nur am Anfang und am Ende stattfand. (Lasse)
  • Vielleicht in Bezug auf ausgewählte Filmszenen neuere Filme wählen, um so noch mehr Menschen an die Präsentation zu binden. (Sascha)
  • Man könnte die Fragezeit nach der Präsentation länger halten. Ich persönlich hatte damit kein Problem, aber andere haben sich darüber beklagt. (Max)
Weitere Veranstaltungen für alle in der Aula?
  • Es wäre sehr sinnvoll, da so alle die Chance haben, mehr zu lernen. Aber es sollten mehr Stühle da sein. (Sophie)
  • Sinnvoll, da wir eine Schule mit sehr unterschiedlichem Publikum sind (BS, BG, Ausbildungsvorbereitung usw.) (Usane)
  • Ein Veranstaltung hin und wieder ist sinnvoll, zu viele wären nicht sinnvoll. (Edonis)
  • Ich denke, es kommt auf das Thema an, und auch auf den referenten. In diesem Fall hat es gut funktioniert … (Lasse)
  • Sehr sinnvoll, da man, abgesehen vom Fachlehrer, nochmal in Kontakt mit Fachleuten treten kann, wie in diesem Fall Christian Maintz. (Sascha)
  • Ja, auf jeden Fall. Man sollte aber – wie bei dieser Präsentationj – sinnvolles vorstellen, also, was für uns Schüler geeignet ist. (Max)
Welche Themen würden dich interessieren ?
  • Wie man gute Texte schreiben kann, Gedichtsanalyse (Ansu)
  • Wie man sich organisiert, wenn man selber einen Film drehen möchte und was man alles dazu braucht. (Usane)
  • Themen über die Welt der Arbeit, d.h. das was demnächst auf uns zukommen wird (Bennet)
  • Vorträge im Bereich der Informatik, Computerwissenschaften, Physik, Politik und Geschichte. (Lasse)
  • Wie heutige Filme entstehen. (Sascha)
Stimmen aus der BG 18-1
Filmtechniken werden wir wiedererkennen

Wir fanden den Vortrag sehr informativ, da die einzelnen Filmtechniken anhand anschaulicher Beispiele erklärt wurden. Wir werden versuchen, diese Techniken im nächsten Film, den wir sehen, wiederzuerkennen.
(Erik, Amarjit, BG 18/1)

Den Aufwand für einen Film erkannt

Der Vortrag hat mir die Augen geöffnet. Meist habe ich nur einen Film angeschaut, aber danach mich nie wieder damit befasst. Doch dieser Vortrag hat mir gezeigt, dass der Aufwand für diese Filmen meist vergessen wird – vor allem die viele Arbeit übersehen wird, die ein Regisseur hinein investiert. Abgesehen von der Unmenge an Geld, die in diese Filme gesteckt wird. Ich fand den Vortrag sehr gut, sehr lehrreich und sehr informativ.
(Dennis, BG 18/1)

Mehr Verständnis für Stil und Aussage

Durch die Präsentation der Filmanalyse habe ich viel für das Schreiben meiner eigenen Filmanalyse gelernt. Ab sofort werde ich verstärkt auf Bild, Schnitt und Ton achten, da dadurch auch das Verständnis für Stil und Aussage größer wird. Wir haben viele Ausschnitte von Filmen zu sehen bekommen, die wir von früher ganz gut kannten. Da kamen gewisse Nostalgiegefühle auf.
(Enes, BG 18/1)

Einbeziehung des Publikums gelungen

Uns hat die Vorstellung zur Filmanalyse gefallen, weil auf ganz unterschiedliche Aspekte eingegangen wurde. Die kurzen Ausschnitte der verschiedenen Film haben uns einen besseren Überblick über Methoden und Ziele der Filmanalyse verschafft. Durch die Einbeziehung des Publikums in das Filmquiz wurde die Vorstellung gleich zu Anfang sehr lebendig.
(Fatimeh, Dilara, Nancy, Minakshi, BG 18/1)

Wenn ich das nächste Mal einen Film gucke …

Das Vortrag war gut und interessant gestaltet. Uns wurden die verschiedenen Stilmittel der Filmindustrie anschaulich erklärt. Das nächste Mal, wenn ich einen Film gucke, werde ich besonders auf die verschiedenen Kameraperspektiven achten.
(Vasileios, BG 18/1)


Noch ein  nützlicher Hinweis:
Auf dem Hamburger Bildungsserver findet man zahlreiche Materialien, Beispiele, Tipps und  Links  zur Filmanalyse. Besonders geeignet  zur Unterrichts- und Prüfungsvorbereitung.

[Beitrag von  Hubert Sowa & Raimund Losse]